Magdalena Tulli

Dieses Mal

Roman
Cover: Dieses Mal
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783895614613
Gebunden, 204 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Aus maßgeschneiderten Anzügen, Kleidern und Kostümen schlüpfen mit spielerischer Leichtigkeit die Figuren in Magdalena Tullis neuem Roman, der zugleich eine Parabel auf den schöpferischen Akt des Schreibens ist. Dieses Mal lässt ein Reichsstädtchen kurz vor dem kommunistischen Umsturz entstehen. Bevölkert wird es von dem Schneider, dem Notar nebst Gattin und Kindern, dem Polizisten, dem Dienstmädchen und seinen Liebhabern, umfahren von einer Ringstraßenbahn, umgeben von abgründigen Hinterzimmern, die sich manchmal als Rückräume eines Theaters erweisen. Auch die Erzählerfigur wechselt die Rollen und probiert mit den Kleidern verschiedene Haltungen aus. In diese bunte, böse Miniaturwelt dringen Störenfriede, die ständig alles sabotieren, zum Einsturz bringen und nach Kräften schiefgehen lassen. Börsenkrach, Studentenunruhen, Attentate und Flüchtlingselend geben dem Roman eine dramatische Wendung und einen hoch aktuellen Bezug.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.06.2010

Als "Sieg der Literatur über die Geschichte" empfand Katharina Döbler diesen Roman, dessen Autorin sie das Prädikat "Ausnahmeschriftstellerin" verleiht. Magdalena Tullis literarische Methode erinnert die Kritikerin an den "galizischen Magier" Bruno Schulz. Zunächst baue die Autorin weithin transparent die Kulisse für ihren Roman, versucht sich die Kritikerin an einer Beschreibung dieser Methode. Hernach beginnen im Innern des Romans Gerüchte über ein fiktives Gemeinwesen zu kursieren, entstehen vor den Augen der Leser geisterhaft Bilder aus vergangenen Jahrhunderten. So recht wird beim Lesen der Kritik nicht klar, was genau der Roman verhandelt, außer dass darin mit literarischer Magie ein Weltentheater entsteht. Und ein großer Sog beim Lesen. Auch die "großartige" Übersetzung von Esther Kinsky hat aus Sicht der Kritikerin einen enormen Anteil an ihrem Leseglück.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2010

Rezensent Jörg Plath hat ein bisschen Angst, dass Magdalena Tulli den prekären Status ihres Erzählens noch auf die Spitze treibt. Hieße: Schluss mit Romanen. Zum Glück für den Rezensenten liegt nun aber erst einmal ein neuer Roman der polnischen Autorin auf Deutsch vor. Die potemkinschen Dörfer und Figuren, die Tulli ihren Erzähler darin entwerfen lässt, erscheinen Plath besser als von ihrem ursprünglichen Erfinder selbst, künstlicher, bröckelnder. Wie die Autorin auf diese Weise das Trauma des Zivilisationsbruchs, hier: den nationalsozialistischen Judenmord, verhandelt, berührt den Rezensenten nicht zuletzt, weil die Trauer hinter der Sprödheit und Strenge der Aporien, wie dem "realistischen" Erzählen, immer erfahrbar bleibt. Auch dank der deutschen Übersetzerin Esther Kinsky, meint Plath.
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