Aus dem Polnischen von Katharina Kowarczyk. Die Bäuerin Sońka, die im polnisch-weißrussischen Grenzgebiet in der Nähe von Słuczanka lebt, hatte als junges Mädchen eine stürmische Liebesbeziehung mit einem SS-Offizier, die nach einem Jahr in einer Tragödie endete. Jahrzehnte später strandet Igor, ein angesagter Theaterregisseur aus Warschau, nach einer Autopanne in ihrer Hütte. Sońka erzählt ihm ihre Geschichte und befreit sich so von der Last der Vergangenheit. Aufgewühlt beschließt Igor das Gehörte in einem Theaterstück zu verarbeiten. Damit provoziert er das Publikum - aber nicht nur das, denn die Macht der Gefühle führt ihn auch zu sich selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2017
Rezensentin Marta Kijowska schätzt die Verwirrung, die Ignacy Karpowicz in seinem Roman stiftet. Die Lebensgeschichte einer alten polnischen Bäuerin, die sich in den Inszenierungsplänen eines Theaterregisseurs widerspiegelt, vermittelt ihr der Autor mit List, indem er Bühnendrama und Erzählung parallel entwickelt. Die Aufspaltung der Perspektive auf das in die Kriegszeit zurückreichende Geschehen konfrontiert Kijowska mit verschiedenen Versionen der Ereignisse. Am Ende weiß die Rezensentin nicht mehr, was daran wirklich, was ausgedacht ist. Sie schwankt zwischen Rührung, Empathie und Misstrauen. Dem Lektüregenuss scheint das aber eher zuträglich.
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