Judko und Le'itsche, ein jüdisches Ehepaar, haben die Hitler-Zeit im polnischen Versteck überlebt und stranden nach dem Krieg in Westberlin. Sie haben einen Sohn und eine Tochter, Jonas und Henrietta, und sie führen das Leben von Entwurzelten. Der Roman erzählt, was ihnen in über fünfzig Jahren geschieht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.11.2005
Christoph Haas ist von den erzählerischen Fähigkeiten Jakob Hessings begeistert, von der Umsetzung jedoch nur in Teilen. Es geht um eine jüdische Familie, die den Holocaust in Polen nur knapp überlebt hat und nach Kriegsende den Neuanfang in Berlin versucht. Trotz allem, was sie durchgemacht hat, gehe es im Roman vor allem um die jeweilige Gegenwart, die Vergangenheit bleibt dagegen ein meist unsichtbarer Hintergrund. Dieses "literarische Understatement" weiß der Rezensent zu schätzen: Die Vergangenheit wird nicht ausgewalzt, das "Pralle und Saftige", das normalerweise den Familienroman kennzeichnet, sucht man vergeblich, und überhaupt bleibt alles, was sich laut gestalten ließe, leise und indirekt. Der Rezensent ist begeistert, allerdings nur die ersten 180 Seiten über. Danach widmet sich der Roman 240 Seiten lang ausschließlich einem 1944 geborenen Sohn der Familie, der nach Israel ausgewandert ist und dort sein Glück sucht, trotz aller Liebesmüh aber eine der blassesten Figuren des Romans bleibt. Auf den letzten 30 Seiten zeigt sich der Autor jedoch wieder in Höchstform - das versöhnt zumindest den Rezensenten mit dem Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2005
Maria Frise sieht im Autor dieser autobiografischen Familiengeschichte Jakob Hessing einen "Vermittler zwischen zwei Welten". Hessing schildert das Schicksal einer jüdischen Familie, die Nazideutschland in einem polnischen Versteck überlebt und sich nach dem Krieg "ausgerechnet" in Berlin niederlässt. Im Mittelpunkt steht aber der Sohn Jonas, der Deutschland später verlässt und in Israel an der Universität Professor wird. Ihr fällt auf, dass Hessing die aktuellen politischen Ereignisse in Israel lediglich "kurz", den Konflikt mit den Palästinensern fast gar nicht erwähnt. Stattdessen widmet sich der Autor eingehend dem "familiären Palaver" und dabei bleibt es nicht aus, dass in den Dialogen auch "Banalitäten" erörtert werden, konstatiert Frise, ohne sich darüber zu beklagen, da es "der Alltag eben vorgibt". Die Parallelen zur Geschichte des Autors sind für die Rezensentin unübersehbar - sie zeigt sich von diesem Familienepos sehr angetan.
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