Olga Tokarczuk

Spiel auf vielen Trommeln

Cover: Spiel auf vielen Trommeln
Kampa Verlag, Zürich 2026
ISBN 9783311100331
Gebunden, 384 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Weil ihr Krimi nicht recht in Gang kommen will, greift eine Frau zum Messer und betritt den Ort des Geschehens. Eine polnische Autorin wird von einer schottischen Dame in deren Landhaus eingeladen: Dort schreibt sie über sich selbst und erschafft sich dabei vollkommen neu. Ein Zirkusimpresario heiratet in grausamer Faszination die hässlichste Frau der Welt und zeugt mit ihr das hässlichste Kind der Welt - eine Investition in die Zukunft. Und ein Schriftsteller trifft an der Wohnungstür auf sein Alter Ego, das sich mit seinen Studenten unterhält, seine Gesten klaut, seine Werke überarbeitet und viel mehr Wodka verträgt als er selbst. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2026

Rezensentin Marta Kijowska freut sich darüber, dass Olga Tokarczuks erstmals 2001 erschienener Erzählband nun in einer deutschsprachigen Neuübersetzung vorliegt. Der Band vereint geschickt diverse Formen und Themen und erzählt Geschichten, die von Alltäglichem ausgehen und darin das Rätselhafte finden. Kijowskis Besprechung konzentriert sich ganz auf eine einzige Erzählung, nämlich "Professor Andrews in Warschau". Denn diese wurde jüngst in Polen verfilmt, Tokarczuks Original erzählt von den Erlebnissen des titelgebenden Professors im Polen der frühen 1980er Jahre - die Zeit, in der in Polen Oppositionsführer verhaftet wurden und der Kriegszustand seinen Ausgang nahm. Viel mehr erfahren wir von Kijowska nicht über Tokarczuks Buch, das die Rezensentin allerdings durchaus gern gelesen zu haben scheint.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.03.2026

Rezensent Michael Eggers erinnert an die Kritik der Übersetzerin Esther Kinsky an den Texten von Olga Tokarczuk. Dass Erzählungen der Autorin nun in neuer Übersetzung von Lisa Palmes und Lothar Quinenstein erscheinen, ermöglicht es dem Rezensenten, die Probe zu machen, ob Kinskys Urteil verfängt. Eggers stellt fest: Tatsächlich ist der literarische Stil eher einfach, auch wenn die neuen Übersetzer versuchen, den Ton zu heben. Allerdings liegt die Literarizität der Texte für Eggers eher im Inhalt und den "narrativ umgesetzten Einfällen". Wie die Autorin in die Gedankenwelt ihrer Figuren eintaucht und zwischen Fantasie und Realität wechselt, das findet Eggers durchaus lesenswert. Das Doppelgängermotiv und Tokarczuks Spiel mit der Subjektivität verorten die Texte in der Tradition von Poe und Borges, meint er anerkennend, auch wenn die Erzählungen "kein Hauptwerk" der Autorin darstellen.