Oleg Jurjew

Halbinsel Judatin

Roman
Volk und Welt Verlag, Berlin 1999
ISBN 9783353011282
Broschiert, 359 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Elke Erb und Sergej Gladkich. In diesem Roman prallen zwei höchst unterschiedliche Lebensauffassungen aufeinander: die urtümlich-archaische Weltsicht russischer Kryptojuden, deren Bräuche und geheimnisvole Codes Jahrhunderte überdauert haben, und der witzig-absurde Sowjetalltag der achtziger Jahre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2014

Mündig sollte der Leser schon sein, meint Sabine Berking angesichts der, wie sie findet, von Elke Erb und Sergej Gladkich bewundernswert ins Deutsche übertragenen Sprachgewalt dieses 1999 erschienenen, nun überarbeiteten Romans mit seinen Wortkaskaden, biblischen Zitaten und Persiflagen. Dem Geheimnis der Identität kommt Berking also auch ohne Glossar auf die vom Autor Oleg Jurjew auslegte Spur. Rasenden Bewusstseinsströmen zweier Dreizehnjähriger folgend, die während der späten Sowjet-Ära im russisch-finnischen Grenzgebiet stranden, lernt die Rezensentin, was es heißt in dieser Zeit und Gegend ein Kryptojude zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.05.2000

Viel Wissenswertes teilt Katrin Hillgruber hier über die eigentliche Besprechung hinaus mit: über den Debütroman „Der Frankfurter Stier“, in sechseckigem Format 1996 erschienen, und ein paar andere Werke des 1959 in Leningrad geborenen „Sohnes assimilierter russischer Juden“, der seit 1990 zwischen seinem Geburtsort und Frankfurt pendelt. Der neue Roman ist wieder in besonderer Form gedruckt; man kann das Buch zunächst von vorn nach hinten lesen, muss in der Mitte angekommen es jedoch umdrehen und vom Rücken her die Lektüre, wieder bis zur Mitte laufend, fortsetzen. Dies zeichnet, so Hillgruber, den Schriftsteller als „autonomen Post-Avangardisten“ aus, der das zugrundeliegende „Ideengehäuse“ jedoch auch auszufüllen versteht. Worum es geht, das beschreibt die Rezensentin im weiteren als „modernes Museum des Judentums“. Dessen schon so handgreiflich vorgeführte Doppelstruktur ist ausgefüllt mit der „weltlichen Variante“ und einer eher „geheimbündlerischen Tradition“ des sowjetischen Judentums; ausgespielt wird beides in einem Haus in der Nähe der finnischen Grenze zu Pessach 1985, direkt nach Gorbatschows Ernennung. Im oberen Stockwerk erzählen sich zwei Halbwüchsige, die einander nicht als Juden erkennen, von ihren Ängsten über antisemitische Gerüchte, während unten im Haus das „fröhliche Chaos der Agnostiker“ herrscht. Mit seiner Mischung aus „Versatzstücken der sowjetischen Alltagskultur“ aus Radio und Fernsehen und halb- bzw. gar-nicht-verstandenen Bruchstücken jüdischer Tradition vermittelt der Roman, so Hillgruber, auf spielerische Weise einen Eindruck vielfältiger Identitätsverwirrung: „Oleg Jurjew bewahrt Aspekte jüdischer Identität, indem er sie durch Sprache neu erschafft.“
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