Nona Fernandez

Twilight Zone

Roman
Cover: Twilight Zone
CulturBooks, Hamburg 2024
ISBN 9783959881937
Gebunden, 240 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem chilenischen Spanisch von Friederike von Criegern. Es ist 1984 in Chile, zur Zeit der Pinochet-Diktatur. Verzweifelt, aber entschlossen betritt ein Mann die Büros einer Oppositionszeitschrift. Er ist ein Agent der Geheimpolizei. Ich möchte auspacken, sagt er, und eine Journalistin schaltet ihr Tonbandgerät ein. Seine Aussage wird Chile für immer verändern. Die Erzählerin ist noch ein Kind, als sie auf dem Titelblatt der Zeitschrift das Gesicht des Mannes sieht, daneben der Satz: "Ich habe gefoltert." Seine Geschichte, seine Mitschuld an den schlimmsten Verbrechen des Regimes, aber auch sein Wille, die Dinge aufzuklären, verfolgen die Erzählerin, inzwischen eine erfolgreiche Journalistin, auch noch lange nach dem Ende der Diktatur. Nach und nach rekonstruiert sie das Leben des Mannes und folgt ihm an Orte, die für Archive unsichtbar bleiben: in die düsteren Grauzonen und Abgründe der Geschichte, wo ganz normale Tagesabläufe, Spieleabende, Popsongs oder Fernsehserien direkt neben den brutalen Machenschaften des Regimes existieren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2024

Rezensent Julian Weber überzeugt die unpathetische, doch beherzte Form, zu der die chilenische Autorin Nona Fernandez in ihrem Roman über die Schrecken der Pinochet-Diktatur und die zähe Aufarbeitung der Verbrechen findet. In einer mit verschiedenen Zeitebenen umgehenden Mischung aus historischen Fakten, persönlichen Beobachtungen, Gerichtsaussagen und investigativer Recherche gelingt Fernandez eine packende "Spurensicherung gegen das Vergessen", meint Weber. Mit dem Stilmittel der Wiederholung gelingt der Autorin das Sprechen über das Unsagbare, die Erkundung und Vergegenwärtigung der Opfer- wie der Tätersicht, staunt Weber.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.04.2024

Mit Nona Fernandez Buch über die Verbrechen der Pinochet-Diktatur in Chile wagt Rezensentin Victoria Eglau den Blick in die dunkelsten Abgründe dieser Zeit. Während das alltägliche Leben scheinbar normal weiterlief, fanden die schlimmsten Folterverbrechen statt - Fernandez baut ihre Geschichte auf den Geständnissen eines Agenten auf, der selbst an diesen beteiligt war, so Eglau. Nur in manchen Momenten "kapituliert" die Fantasie der Autorin, so die Kritikerin, nämlich wenn es darum geht, zu wissen, was die Opfer des Regimes in ihren allerletzten Momenten gedacht haben. Ein Buch, das erschüttert, fesselt und gleichzeitig einen wichtigen Schritt zur Aufarbeitung der Verbrechen darstellt, schließt die überzeugte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2024

Rezensent Jobst Welge empfiehlt Nona Fernandez Buch als Gelegenheit, sich als Leser über die Perspektive einer Journalistin nicht nur in die historische Realität der chilenischen Militärdiktatur einzufühlen, sondern auch generelle Fragen zum Umgang mit kollektiven Traumata zu stellen. Spannend erzählt wird hier auch noch, versichert Welge. Der Kritiker befindet den hybriden Stil der Autorin aus essayistischen und autobiografischen Passagen als eher weniger literarisch "verdichtend". Aber wie Fernandez hier die Schrecken des Terrors verhandelt, oft indirekt durch mediale Repräsentationen, Erinnerungen oder Recherchepassagen, findet der Kritiker durchaus überzeugend in der Vergegenwärtigung der Parallelität von Alltag und Gewalt.

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