Monika Wienfort zeigt in ihrer grundlegenden Untersuchung, dass sich die preußischen Patrimonialgerichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von gutsherrlichen Verwaltungsinstanzen zu modernen Gerichten wandelten, bei denen vor allem die Rechtsangelegenheiten der ländlichen Eigentümer verhandelt wurden. Zunächst fragt sie nach der Rolle dieser Gerichte im Prozess der Staatsbildung, sodann nach den sozialen Beziehungen auf dem Lande und der ländlichen Wirtschaft. Schließlich geht es um den Wandel der ländlichen Rechtskultur unter dem Einfluss des Staates. Die Abschaffung der Patrimonialgerichtsbarkeit, die oft als eine der wenigen bürgerlichen Erfolge der Revolution von 1848/49 galt, stärkte vor allem den Staat. Die bürgerliche Gesellschaft verlor Partizipationsmöglichkeiten im Rechtssystem, die nur schwer zurückzugewinnen waren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2002
Das Buch von Monika Wienfort wirft, so Hans-Christof Kraus, ein neues Licht auf die Frage nach dem Stand der Modernisierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf den ersten Blick erscheint das Vorhandensein einer privaten erstinstanzlichen Gerichtsbarkeit gänzlich alteuropäisch. In Preußen unterstanden im Jahr 1837 immerhin noch gut 20 Prozent der preußischen Bürger einer solchen Patrimonialgerichtsbarkeit. Der Anschein jedoch täuscht zum Teil, das könne Wienfort, wie Kraus lobt, im Blick auf die institutionellen wie sozialen Zusammenhänge erläutern. Die Autorin stützt sich auf "umfassendes ungedrucktes Quellenmaterial" und kann so Herkunft wie Wandel der vormodernen Rechtsform genau verorten. So wurde um 1800 die Unabhängigkeit der privaten Richter entschieden gestärkt, zugleich wirkte eine starke Bürokratisierung der Möglichkeit von Willkürurteilen entgegen. Die Darstellung dieser Entwicklung gelingt der Autorin, resümiert der Rezensent, nicht zu letzten in genauen Fallstudien, ganz "vorzüglich".
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