Thomas Nutz

Strafanstalt als Besserungsmaschine

Reformdiskurs und Gefängniswissenschaft 1775-1848. Diss.
Cover: Strafanstalt als Besserungsmaschine
Oldenbourg Verlag, München 2001
ISBN 9783486565782
Gebunden, 435 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Der fundamentale Transformationsprozess des Strafsystems zwischen 1750 und 1850 machte die Strafanstalt zum Zentrum des staatlichen Strafvollzugs. Mit ihrer Hilfe hofften die Zeitgenossen, den Delinquenten in einen nützlichen Staatsbürger umschaffen zu können. Doch welches Design musste diese Institution haben? Mit welchen Techniken war die Besserung des Delinquenten zu erreichen? Und wie sollte diese neue Straftechnologie in das bestehende Anstaltssystem implementiert werden? Thomas Nutz zeichnet nach, wie sich im ausgehenden 18. Jahrhundert ein spezifischer Diskurs über die Reform der Haftanstalten formierte und ein internationales Fachwissen herausbildete. Eine Entwicklung, die schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts in der Entstehung einer eigenständigen Disziplin der "Gefängniskunde" mündete.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2001

Viel Lob hat Martin Stingelin in seiner ausführlichen Kritik für diese "sozialkonstruktivistische und diskursanalytische Studie über die Geburt der wissenschaftlichen Gefängniskunde" übrig. Quellengesättigt wie sie sei, bereichere sie den aktuellen Forschungsstand. Und auch die "nüchterne, dokumentarische" Darstellung von Thomas Nutz, der sich aller Spekulationen im Sinne von Michel Foucault enthalte, findet offenbar den Beifall des Rezensenten. Worum geht es in dieser Dissertation? Nach Nutz hatte die Gefängnisreform, die Ende des 18. Jahrhunderts in den USA und Europa begann, zwei Gründe: zum einen erkannte man den Wert der Hygiene -die dreckigen Gefängnisse, in denen Häftlinge reihenweise am "Kerkerfieber" starben, erschienen plötzlich unzeitgemäß. Zum anderen bereitete den Bürgern der Anblick kahlgeschorener, unterernährter und misshandelter Sträflinge auf den Straßen Pein. Also beschloss man, die Unglücklichen nicht mehr in Kerkern aufzubewahren, sondern in "Besserungsmaschinen" zu den bürgerlichen Tugenden zu bekehren, berichtet der Rezensent. Das Wort "Besserungsmaschine" nehme der Autor der Studie wörtlich: 'Die ganze Lebensweise des Sträflings ... ist organisiert nach den Regeln einer totalen Diätik', zitiert Stingelin den Autor. Seltsamerweise explodierten jedoch gerade in dieser Zeit die Kriminalitätszahlen. Nutz stellt die "Diskursgeschichte ihrer Institutionalisierung ausführlich im Licht ihrer Legitimationsstrategien, der Typologie ihrer Teilnehmer, ihrer institutionellen Orte, ihrer medialen Erscheinungsformen und ihrer Debatten dar", beobachtet Stingelin. Nur einen Makel kann er an dieser Arbeit feststellen: Leider habe der Autor die Berner Dissertation von Regula Ludis, "Die Fabrikation des Verbrechens" übersehen. Diese legt für Stingelin den Verdacht nahe, dass "der Liberalismus selbst einen produktiven Anteil an der von ihm so listenreich bekämpften Delinquenz hat."
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