Misha Glenny

Der König der Favelas

Brasilien zwischen Koks, Killern und Korruption
Cover: Der König der Favelas
Tropen Verlag, Stuttgart 2016
ISBN 9783608503357
Gebunden, 424 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dieter Fuchs. Weitläufig und unkontrollierbar sind die Wege der Korruption, weitläufig und unkontrollierbar auch die Favelas von Rio. Genau hier entfaltet sich die tragische Lebensgeschichte eines der berüchtigtsten Drogenbosse des Landes. Im Grunde widerwillig, aber doch auch zielstrebig steigt Nem durch Organisationstalent und Loyalität in der Hierarchie auf, bis er schließlich selbst das Ruder übernimmt und sich an die Spitze einer der größten Verbrecherorganisationen Brasiliens setzt, der Amigos dos Amigos. In seinem glänzend recherchierten und aufregend geschriebenen Buch öffnet uns Misha Glenny die Augen für das soziale Drama Brasiliens. Die Ambivalenz des Menschseins wurde selten so greifbar und packend erzählt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.04.2016

Nicht vom "reißerischen" Titel abschrecken lassen, warnt Rezensentin Michaela Metz. Denn der britische Journalist Misha Glenny liefert hier nicht etwa eine zweite Version von Paul Lins' Roman "City of God", sondern vielmehr einen fesselnden, informativen und brillant recherchierten Bericht über die Drogenszene Brasiliens, informiert die Kritikerin. Metz lernt hier nicht nur die Favela "Rocinha" kennen, sondern liest auch die Geschichte von Antônio Francisco Bonfim Lopes, der als meistgesuchter Mann Brasiliens im Jahre 2011 verhaftet wurde. Erstaunt erlebt die Rezensentin in Glennys Interview mit dem Drogenboss einen geradezu sanftmütigen Mann, der tiefe Einblicke in sein Leben und die Hierarchie der Favela-Chefs gewährt. Darüber hinaus gelingt dem Autor, der auch Gespräche mit den Anwälten, der Familie, Freunden, Feinden, Drogenhändlern, Polizisten und Politiker führte, ein scharf skizziertes, tiefgründiges Bild der brasilianischen Gesellschaft, lobt die Rezensentin, die nicht zuletzt die Reportage über die korrupte brasilianische Polizei mit Gewinn gelesen hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.04.2016

Jens Uthoff lernt viel über den Koka-Handel in Brasilien mit Misha Glennys Biografie über den Favela-König und Drogenboss Nem. Wie der Journalist aus Recherchen und Gesprächen mit Nem, mit Favela-Bewohnern, Bandenmitgliedern, Politikern und Polizei die Verankerung des Drogenhandels in der brasilianischen Gesellschaft darlegt, findet Uthoff nachvollziehbar und beeindruckend. Wie ein antikes Drama erscheint ihm Glennys Erzählung mitunter, dann wieder thrillerartig und literarisch. Trotz aller aufgezeigten Widersprüche in der Biografie Nems scheint Uthoff die Sympathie des Autors für seinen Gegenstand manchmal etwas zu groß.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.03.2016

Tropenstrand und Drogenkrieg, beides gehört mittlerweile unweigerlich zu unserer Vorstellung von Rio de Janeiro, weiß Daniel Haaksman. Wer sich über die düstere Seite der Stadt, die Kriminalität in den Favelas informieren möchte, der kann das ab sofort in Misha Glennys "Der König der Favelas" tun, verrät der Rezensent. Das Buch ist weniger reißerisch, als es klingt, verspricht Haaksman. Der Journalist Glenny erzählt die Geschichte des Drogenbosses Antônio Francisco Bonfim Lopes alias Nem von der Rocinha, der aufgrund sich häufender Arztrechnungen ins Drogengeschäft gerutscht war und rasant Karriere machte, bis man ihn verhaftete und ins Hochsicherheitsgefängnis Campo Grande warf, fasst der Rezensent zusammen. Anhand von Interviews mit Lopes und anderen rekonstruiert Glenny dessen Laufbahn und beschreibt die Entstehung einer Parallelwelt inmitten der Stadt, erklärt Haaksman.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.02.2016

Der Sachbuchautor Misha Glenny hat für "Der König der Favelas" insgesamt zehn Interviews mit Antonio Francisco Bonfim Lopes im Gefängnis geführt, erzählt Rezensent Thomas Fischermann. Das Ergebnis ist ein durchaus spannendes Buch über das Leben in den brasilianischen Favelas, über die Not und das Verbrechen, erklärt der Rezensent. Trotz einiger Anstrengungen, neutral zu bleiben, stimmt Glenny jedoch etwas zu bereitwillig in die Tiraden seines Interviewpartners über korrupte Behörden ein, die hier schlechter als jeder Gangsterboss wegkommen, bedauert Fischermann, dem das Buch an diesen Stellen "richtig unangenehm" wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2016

Hannes Hintermeier berichtet über Brasilien aus der Sicht Stefan Zweigs, über Favelas und den Drogenboss Antônio Bonfim Lopes, der seit vier Jahren im Gefängnis sitzt, wo der britische Journalist Misha Glenny ihn rund zehn Mal besucht und seine Geschichte aufgeschrieben hat. Allein die Rechercherarbeit zum Buch scheint Hintermeier höchst bemerkenswert. Das Buch fällt für ihn in die selten gewordenen Kategorie der groß angelegten Reportage, episch und mutig. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Favela-Königs scheint dem Rezensenten geradezu märchenhaft nach Art einer Telenovela.
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