Geovani Martins

Aus dem Schatten

Erzählungen
Cover: Aus dem Schatten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518428580
Gebunden, 125 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Nicolai von Schweder-Schreiner. Jeder Schritt vor die Tür ein Spießrutenlauf, jede Begegnung mit der Polizei eine Schikane, jeder Blickkontakt ein Todesrisiko: Die Favelas von Rio de Janeiro sind harte Orte. Hier herrschen Armut und Brutalität. Hier leben die Ohnmächtigen und Verdammten. Und hier leben junge Menschen - sind sie Täter? Opfer? -, die mit all dem klarkommen müssen und sich ihre alltägliche Fragen stellen: Die Schusswaffen des Vaters mal ausprobieren? Wie kriegt man eine Frau rum? Wie wird man eine Leiche los? Wie rettet man eine Hexe? Wohin mit den Drogen, wenn eine Sondereinheit das Haus stürmt? Kindheit und Jugend im Zeichen von Gewalt und Diskriminierung - in dreizehn dichten, autobiographisch grundierten Geschichten erschließt uns Geovani Martins das Leben in den Favelas.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2020

Rezensent Wolfgang Schneider entwickelt Sympathien für die Geschichten und Figuren in den Kurzgeschichten von Geovani Martins. Die in Brasiliens berüchtigter Favela Rocinha spielenden Storys um Kinder auf Abwegen, Drogen, Gewalt und Totenkulte, Gang-Schlachten und die Träume der Bewohner vermitteln Schneider sowohl die grandiose Doofheit des Drogenrausches wie die wechselnden Gefühlslagen der einerseits hartgekochten, andererseits kindlichen Helden. Besonders an den Texten scheinen Schneider ihre schwarze Komik und der verschmitzte Ton, der im Kontrast zum Gang-Slang steht. Diese vielschichtige Tonalität zusammen mit einer überzeugenden Beobachtungsgabe und ebensolchen Dialogen sind für Schneider Ausweis der Erzählkunst des Autors.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.09.2019

Wie der brasilianische Autor in seinem Debüt von den Armenvierteln in Rio erzählt, hat Rezensent Maik Söhler stark beeindruckt: Mit originellen Schilderungen aus dem Alltag eines Kindes, eines Dealers oder eines Urlaubers haben ihm die Kurzgeschichten die Eigengesetzlichkeiten des Lebens in den Favelas nähergebracht. Zwar findet der Kritiker, dass über dem Authentizitätsanspruch des Autors ein wenig erzählerische Kreativität verloren ging, dafür aber glaubt er, die Favelas umso facettenreicher präsentiert bekommen zu haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2019

Rezensentin Birthe Mühlhoff hätte Geovani Martins am liebsten im Original gelesen, vor allem bei den Slangausdrücken, die der Autor aus den Favelas seiner Jugend mitbringt, kann die Übersetzung von Nicolai von Schweder-Schreiner nicht mithalten und überträgt Martins' fesselnden brasilianischen Realismus in einfache Umgangssprache, erklärt sie enttäuscht. Ansonsten aber bietet die deutsche Ausgabe des Romans Mühlhoff jede Menge Leseglück. Wie der Autor vom Aufwachsen in Rios Randzonen erzählt, klar, wutlos, authentisch, findet sie sympathisch, auch wenn die beschriebenen Schicksale alles andere als rosig sind.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.04.2019

Rezensent Ingo Arend kühlt den Hype um den aus einer Favela stammenden Autor Geovani Martins etwas herunter, ohne das Besondere an den episodischen Stories des jungen brasilianischen Autors zu übersehen. Der unpathetische, nicht magische, sondern direkte Realismus der von Drogen, Angst und Gewalt handelnden Geschichten aus den urbanen brasilianischen Slums erscheint dem Rezensenten zwar alles andere als neu. Bemerkenswert findet Arend allerdings, wie getreu Martins den Sound der Straße abzubilden weiß, wie er die brutale Wirklichkeit mitunter existenzialistisch verdichtet und wie illusionslos er seine Figuren als Täter und Opfer zugleich präsentiert.