Klappentext

Kintsugi ist das japanische Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Diese Tradition lehrt, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist, sondern im guten Umgang mit den Brüchen und Versehrtheiten.
Es ist Wochenende. Wir sind in einem Haus an einem spätwinterlichen See, das Licht ist hart, die Luft ist schneidend kalt, der gefrorene Boden knirscht unter unseren Füßen. Gerade sind Reik und Max angekommen, sie feiern ihre Liebe, die nun zwanzig ist. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und seine Tochter Pega, so alt wie die Beziehung von Max und Reik. Sie planen ein ruhiges Wochenende. Doch ruhig bleibt nur der See.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.10.2019

Ursula März stellt mit Miku Sophie Kühmels Roman um die emotionalen Irrungen und Wirrungen eines Quartetts vor uckermärkischer Landhauskulisse ein für die Rezensentin vielversprechendes Debüt vor. Zwar hebt die Autorin laut März etwas zu deutlich auf die Symbolik der zerbrochenen und auf japanische Art geflickten Teetasse (Kintsugi) ab, souverän jedoch erscheint der Rezensentin, wie Kühmel gesellschaftspolitisch up to date über Wahlfamilie und homosexuelles Paar schreibt, die sexuellen Präferenzen ihrer Figuren aber hinter dem Emotionalen zurücktreten lässt. Ein psychologisch raffiniertes Kammerspiel, so März.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.10.2019

Nur eine knappe Besprechung braucht David Hugendick um sein Missfallen an Miku Sophie Kühmels Debütroman, der es auf Anhieb auf die Shortlist geschafft hat, zu äußern. "Ambition und Bildung" will er dem Roman gar nicht absprechen und dennoch verfängt er nicht, meint er. Formal will Kühmel einfach zu viel und zitiert einige der Adjektivhäufungen, die ihn besonders stören. Dass er kaum eine von Kühmels Figuren sprachlich auseinanderhalten kann, macht es für den Kritiker nicht besser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2019

Rezensent Philipp Theisohn gefällt, wie Miku Sophie Kühmel in ihrem Debütroman die vielfachen Brüche und Verklebungen einer japanische Teetasse mit den Verheerungen von Liebe und Leidenschaft, Eifersucht und Lust verquickt. Auch wenn Theisohn die Episoden im Buch redundant erscheinen und der Psychologismus der Autorin ihm bisweilen bemüht vorkommt, den gewährten Einblick in die Strukturen des Lebens und Liebens von vier miteinander verbundenen, mit je eigener Erzählstimme ausgestatteten Figuren findet er aufschlussreich - etwa als Geschichte der urbanen Mittelschicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2019

Rezensentin Judith von Sternburg erklärt, dass es sich bei Kintsugi um eine japanische Technik handelt, zerbrochene Keramik beim Reparieren mit goldenen Nähten zu verschönern. In Sophie Kümels Buch steht der Begriff metaphorisch für das Zusammenleben einer außergewöhnlichen Patchwork-Familie, bestehend aus Tonio, dessen Tochter und deren beiden Zusatzvätern, den Onkel Reik und dessen Lebensgefährten Max. Ob die gekittete Struktur aber wirklich immer noch eine Verbesserung darstelle, lotet die Autorin in ihrem Roman aus, so Sternburg. Die Autorin beschreibt die Zwänge und Vorteile der Wahlverwandtschaften angenehm kühl, erklärt die Rezensentin, aber nicht hart genug, um ein wirklich imposantes Werk zu schaffen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2019

Rezensent Hubert Winkels ist das alles zu viel, was Miku Sophie Kühmel in ihrem Roman zusammenzuhalten versucht: Vier Figuren in der Uckermark, ein Kammerspiel aus Liebe und Leidenschaften und Brüchen und Flicken. Dass sich die Autorin dabei für Winkels deutlich auf die "Wahlverwandtschaften" beruft, auf Eric Rohmer und Jacques Deray und Martin Walsers berühmte Novelle, findet er ambitioniert. Leider geht das formale Kalkül laut Winkels nicht auf, und das inhaltliche Chaos, "Liebe, Sex, Kunst, Palaver", Rückblicke und Gegenwart fliegen Autorin und Rezensent um die Ohren.
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