Klappentext

Zwei Männer. Zwei Möglichkeiten. Zwei Leben. Jackie Thomae stellt die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind. Mick, ein charmanter Hasardeur, lebt ein Leben auf dem Beifahrersitz, frei von Verbindlichkeiten. Und er hat Glück - bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel, der seine Eltern nie gekannt hat, ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht plötzlich als Aggressor da - ein prominenter Mann, der tief fällt. Brüder erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, der ihnen nur seine dunkle Haut hinterlassen hat. Die Fragen, die sich ihnen stellen, sind dieselben. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2019

Paul Jandl kann kaum etwas Gutes finden an Jackie Thomaes Roman über zwei Brüder aus Leipzig mit dem gleichen senegalesischen Vater, aber unterschiedlichen Müttern. Die Geschichte strotze vor Oberflächlichkeit, Klischees und Trivialitäten, findet Jandl. Manchmal weiß er nicht, ob Thomae positiven Rassismus schreibt oder bloß Unsinn. Hinter der suggerierten Bedeutungsschwere, etwa, wenn die Autorin das Ausgehen in den 2000er Jahren beschreibt, stößt der Rezensent nur auf einen "daueraufgekratzten" Ton. Fragen nach Rassismus, Gender und #MeToo, die der Text anreißt, verlaufen sich ohne Erkenntnisgewinn, stellt Jandl enttäuscht fest.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2019

Rezensentin Katharina Granzin kennt ein solch unangestrengtes Schreiben eigentlich nur aus dem angelsächsischen Raum. Deswegen findet sie Jackie Thomaes Roman schon mal gut. Intelligent und humorvoll erzähle Thomae von zwei Halbbrüdern, die in der DDR als Söhne eines Studenten aus dem Senegal bei verschiedenen Müttern aufwachsen, ohne voneinander zu wissen, und nach der Wende ihr Leben mehr oder weniger zielstrebig in Berlin und London bestreiten. Allerdings räumt Granzin ein, dass ihr bis zum Schluss nicht ganz klar geworden ist, worum es Thomae eigentlich gehe: Hautfarbe? Vereinzelung? Die Endlichkeit der Liebe? Die Rezensentin hört irgendwann auf, das Thema des Roman ergründen zu wollen und gibt sich dem reinen Genuss hin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2019

Rezensentin Andrea Diener weiß gar nicht, wie sie ihrer Begeisterung über diesen Roman Ausdruck verleihen soll, ohne dabei sofort abgeschmackt zu klingen: Das Buch über die beiden sehr verschiedenen Söhne eines senegalesischen Gaststudenten in der DDR, weiß ihrer Meinung nach einfach sehr viel über das Leben und die Welt. Ähnlich wie Zadie Smith schreibe Jackie Thomae humorvoll, aber nie zynisch von den unterschiedlichen Wegen, die die Halbbrüder einschlagen - der erste als leichtlebiger Taugenichts im Nachtleben Berlins und der zweite in der steifen Londoner Mittelkasse, die er zugleich liebt und hasst-, und lote dabei ganz wunderbar aus, wie zwei Individuen sich entwickeln, die zufällig eine ähnlich auffällige Ausgangsbasis haben, die sie aber eben doch nicht bestimme.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.10.2019

Angetan bespricht Katrin Bettina Müller Jackie Thomaes für den Buchpreis nominierten Roman, der von zwei in der DDR geborenen Brüdern erzählt, die beide einen gemeinsamen afrikanischen Vater haben, aber getrennt voneinander bei ihren alleinerziehenden Müttern aufwachsen. Die Kritikerin folgt hier zunächst dem charmanten Mick bei seinen Frauengeschichten und Clubbesuchen durch die Achtziger und Neunziger, begegnet dann Gabriel, einem erfolgreichen, inzwischen in London lebenden, kommunikationsgestörten Architekten und staunt, wie liebevoll Thomae ihre beiden schwierigen Männerfiguren behandelt. Vor allem aber lobt Müller, dass die Autorin darauf verzichtet, im Roman angelegte Motive wie Rassismus oder das Aufwachsen vor und nach der Wende zu den Hauptthemen ihres Buches zu machen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.09.2019

Die Frage der Identität scheint die Rezensentin Juliane Liebert mehr zu interessieren als der Besprechung guttut: Weil es hier um zwei Brüder geht, die beide einen ihnen unbekannten afrikanischen Vater haben? Zwei sehr verschiedene Leben sind jedenfalls dabei herausgekommen, die Hautfarbe spielt, so Liebert, eine kleinere Rolle als man denken könnte. Interessanter sind offenbar die Lebenskonzepte der beiden - das In-den-Tag-Leben des einen, der Ehrgeiz des anderen. Gefallen hat der Rezensentin die erzählerische Entscheidung, die brüderlichen Biografien nicht parallel zu erzählen. Und überhaupt gibt es in Thomaes Buch eine "Leichtigkeit" der Erzählweise, die nur manchmal ein wenig abgleitet ins Triviale, lobt die Rezensentin. Für sie sind die hier erzählten Geschichten ein Beweis, dass "die Praxis kultureller Vieldeutigkeit und fluider Identitäten" den Theorien weit voraus ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2019

Jackie Thomae gelingt das Kunststück von Hautfarbe und Geschlecht zu erzählen - ohne die Themen in den Mittelpunkt ihres Romans zu stellen, staunt Rezensentin Marie Schmidt, die das so in der deutschsprachigen Literatur noch nicht erlebt hat. Erzählt wird in zwei Teilen die Geschichte zweier Halbbrüder, deren Vater in den Siebzigern in der DDR Medizin studierte, dann nach Ghana zurückkehrte und in Berlin und Leipzig je eine Frau mit einem Sohn zurückließ. Schon dass Thomae die Biografien der beiden getrennt voneinander aufwachsenden Brüder nicht parallel setzt - Mick begleiten wir zunächst als hedonistischen Jugendlichen in den Neunzigern, Gabriel als erfolgreichen Londoner Architekten in den Nuller Jahren, findet die Kritikerin klug. Vor allem aber bewundert Schmidt, wie die in der DDR geborene Autorin, die ihren aus Guinea stammenden Vater selbst erst spät kennenlernte, ihre Helden durch Liebes- und Alltagsabenteuer gleiten lässt, dabei "Zeit- und Milieukolorit" vorsichtig andeutet und die Themen Herkunft und Identität nur durchscheinen lässt.
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