Spätestens seit dem Beginn von Wladimir Putins zunehmend aggressivem Vernichtungskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 ist klar: Eine friedliche Weltordnung MIT Putin ist kaum denkbar. Doch wie kann ein totalitäres Regime beendet werden? Durch wen? Eher von innen oder von außen? Gäbe es überhaupt eine Chance auf einen einigermaßen friedlichen Machtwechsel? Und wer käme dann in Russland an die Macht - und wie würde diese aussehen? Diese drängenden Fragen werden nicht nur von Politikern und Entscheidungsträgern gestellt, sondern im Grunde von allen freiheitsliebenden Menschen in Russland und auf der ganzen Welt. Weit entfernt von jeglicher Besserwisserei, stellt der Autor Fragen, wie etwa die nach der Gewaltlosigkeit, und leitet die daraus resultierenden Handlungsoptionen ab. Damit will er keine Patentrezepte liefern, sondern eine längst überfällige Diskussion anstoßen sowie Lösungen für eine Umgestaltung des russischen Staates vorschlagen, die künftigen Machtmissbrauch verhindern würden. Das zentrale Argument des Buches ist, dass eine parlamentarische Republik mit einem sorgfältig austarierten System von Kontrollen und Gegengewichten das derzeitige Modell der russischen Staatlichkeit ersetzen muss, welches den Präsidenten mit einer außerordentlichen Fülle an Befugnissen ausstattet - und mit viel zu vielen Möglichkeiten, einseitige Entscheidungen zu treffen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2023
Rezensent Thomas Zaugg bleibt skeptisch angesichts von Michail Chodorkowskis Vision eines Russland nach Putin. Schön, dass der ehemalige Oligarch sich in vielem geläutert zeigt, findet Zaugg. Aber die Schlussfolgerungen, die der Autor aus seiner Analyse der russischen Geschichte und des Teufelskreises, der immer wieder in die Stagnation und Repression zurückführte, zieht, scheinen Zaugg nicht zu überzeugen. Zu sehr bezieht sich der Autor auf ein urbanes, polyglottes Russland, findet er. Chodorkowskis Russland der Zukunft ist ein eklektizistisch zusammengebasteltes Idyll, mokiert sich Zaugg.
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