Mit 20 Schwarzweiß-Abbildungen. Warten, liegen, gammeln, verheiratet sein, arbeiten, Medien konsumieren: All das sind Tätigkeiten, die man als Zeitverschwendung verstehen kann. Aber ist das so? Michaela Krützen geht dieser Frage nach, indem sie klassische Figuren aus Literatur und Film analysiert: Verschwendet Marie Antoinette im höfischen Zeremoniell ihre Zeit? Betty Draper in ihrer Ehe? Hans Castorp in seiner Routine? Oblomow auf seinem Sofa und Jeff Lebowski beim Herumhängen? Indem sie diese und andere Werke untersucht und auch ihren theoretischen Kontext betrachtet, klärt uns Michaela Krützen unterhaltsam und mit dem Blick für Details über eine der zentralen Fragen des Lebens auf: Was ist Zeitverschwendung?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2025
Rezensentin Hannah Schmidt-Ott verspricht mit Michaela Krützens Buch zu zeitverschwendenden Figuren in Literatur und Film eine aufschlussreiche und entspannte Lektüre. Auf fast tausend Seiten, die die Kritikerin aber gerne auf sich nimmt, widmet sich die Medienwissenschaftlerin verschiedenen Figuren wie Marie Antoinette, Jay Gatsby, Jeff Lebowski oder Patrick Bateman, die ihre Zeit vermeintlich verschwenden, sei es durch exzessiven Konsum, umständliche Ankleidemanöver oder Bowling - wobei Zeitverschwendung natürlich Ansichtssache und sehr kontextabhängig ist, wie Schmidt-Ott liest. Dass die Autorin dabei nicht nach Genres oder Epochen vorgeht, sondern sich assoziativ treiben lässt, stört die Kritikerin nicht, sondern macht für sie vielmehr einen besonderen Reiz des Buchs aus. Sie empfiehlt deswegen (entgegen der Empfehlung der Autorin) eine chronologische Lektüre. Besonders spannend scheint ihr außerdem, wie Krützen soziologische und philosophische Ansätze zur Analyse heranzieht, darunter Pierre Bourdieu und Henri Bergson.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.08.2024
"Ausgesprochen erhellend" findet Rezensentin Andrea Gerk das Buch von Michaela Krützen. Darin wählt die Medienwissenschaftlerin mehrere Figuren aus Literatur und Film aus und zeigt, inwiefern diese nach heutigen Maßstäben Zeit verschwenden, erklärt uns die Kritikerin. Dabei blickt sie beispielsweise auf Marie Antoinettes verschwenderischen Tagesablauf in Sofia Coppolas Film durch die Brille von Norbert Elias, die literarische Figur des im Bett liegenden Ilja Iljitsch Oblomow interpretiert sie mit der Hilfe von Max Weber, lesen wir. Diese Exkurse zeigen, dass Zeitverschwendung erst mit den Kategorien "Arbeit und Produktivität" ein Übel in der Gesellschaft wurde, staunt die Kritikerin. Die Kritikerin lobt hierbei Krützens "Ausführlichkeit und Gründlichkeit". Wer sich nur für einzelne Aspekte des Nichtstuns in unserer Gesellschaft interessiert, kann sich auf einzelne Kapitel konzentrieren, damit ja keine Zeit verschwendet wird, schließt die angetane Kritikerin.
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