Als sich im Frühling 1940 Soldaten auf den einstigen Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges erneut feindselig und erbittert gegenüberstanden, kämpften sie nicht nur um ihr eigenes Überleben, sondern auch mit der schmerzlichen Vergangenheit. Während die Soldaten mit traumatischen Erlebnissen und der Trauer um viele der dort gefallenen Verwandten konfrontiert waren, wurden bei den dort lebenden Zivilisten dramatische Erinnerungen an die deutschen Gräueltaten wach. Auf Grundlage von zum Teil unveröffentlichten Berichten, Briefen und Tagebucheinträgen erzählt der renommierte Historiker Raffael Scheck von den Monaten Mai und Juni 1940 aus der Sicht gewöhnlicher Soldaten und Zivilisten auf beiden Seiten der Front.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2024
Weniger für die militärischen Aspekte des Westfeldzugs im Jahr 1940, als Nazideutschland Frankreich besiegte, interessiert sich Raffael Schecks spannendes Buch, so Rezensent Clemens Klünemann, vielmehr stehen die Gedanken und Taten der beteiligten Deutschen und Franzosen im Zentrum. Deutlich wird dabei unter anderem, lernt Klünemann von Scheck, wie sehr die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg die Erfahrung auch des Zweiten prägte. Die aus zahlreichen persönlichen Dokumenten erarbeitete Studie ist nicht ganz die erste ihrer Art, so Klünemann, aber in dieser Dichte und auch in der Befragung des Materials auf Vergangenheits- und Zukunftsprojektionen bringt der Ansatz doch etwas Neues. Die Rezension erwähnt Passagen, in denen der Rassismus der Deutschen in der Begegnung mit afrikanischen Truppen, die auf Seiten Frankreichs kämpften, thematisiert wird und geht außerdem wohlwollend auf die These ein, dass der Ausgang des Zweiten Weltkriegs in der Tat schon in den Kämpfen in Frankreich im Jahr 1940 vorgezeichnet war. Insgesamt ein wichtiges Buch, auch mit Blick auf aktuelle Konflikte, so das Resümee.
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