Michael Wolf untersucht die Zusammenhänge von Krieg, Trauma und Politik in psychoanalytischer und in Generationenperspektive. Seit dem Ende des Kalten Krieges mehren sich neue "heiße" Kriege, vor allem in Gestalt der so genannten "low intensity wars" und des Terrorismus. Sie kommen uns näher und involvieren uns in Europa. So heizen sie den lange eher latenten "clash of civilizations" an. Sie haben aber auch eine Vorgeschichte in der Gewaltgeschichte Europas und im Besonderen Deutschlands. Diese unbewussten historischen Zusammenhänge, Determinanten und Auslöser werden in ihrer ganzen Vielschichtigkeit und in ihren Folgen für Politik analysiert und auf ihre aktuelle Relevanz hin geprüft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2017
Christoph Nübel stößt auf zu viel Mystifikation und Verallgemeinerung in Michael Wolfs Versuch, den Sound der Geschichte psychoanalytisch einzufangen. Nübel zieht eine Traditionslinie von Norbert Elias zum Autor des Buches, der ihm allzu fortschrittsgläubig erscheint, wenn er wie Elias Krieg und Gewalt als zivilisationsfremd begreift und von hier aus Traumata und politische Kosequenzen beleuchtet. Die Themenfülle, die Wolf dabei auffährt, macht es Nübel nicht leicht, den Überblick zu behalten. Bedauerlich, meint er, zumal der Band für ihn durchaus interessante Überlegungen birgt. Als weiteren Schwachpunkt erkennt der Rezensent Verkürzungen und Fehler bei den historischen Beispielen, die dem Autor als Argumentationsbasis dienen. Kontinuitäten der Gewalt lassen sich so nicht belegen, meint Nübel.
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