Die Fortschritte der Wissenschaft scheinen unser Welt- und Selbstbild immer wieder zu erschüttern. Waren es in den vergangenen Jahrhunderten die Lehren von Kopernikus, Darwin oder Freud, die für fundamentale "Kränkungen" des Menschen verantwortlich gemacht wurden, so sind es heute die Erkenntnisse der Neurowissenschaft, die unser menschliches Selbstverständnis nachhaltig in Frage stellen. Doch worum geht es bei diesen Auseinandersetzungen wirklich? Erliegen die Teilnehmer der aktuellen Debatte um das Bewusstsein und den freien Willen, den uns manche Hirnforscher absprechen möchten, nicht einem grundlegenden Missverständnis? Michael Pauen erzählt die spannende Geschichte eines Jahrhunderte alten Scheinkonflikts und zeigt, dass die Erkenntnisse der Neurowissenschaften uns nicht bedrohen, sondern - ganz im Gegenteil - das Verständnis für zentrale menschliche Fähigkeiten verbessern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.05.2007
Der Marburger Philosoph Michael Pauen sieht keine Bedrohung des Menschenbildes durch den Naturalismus und legt in seinem jüngsten Buch dar, dass die Neurowissenschaft dieses nicht in Frage stellt, konstatiert Rezensent Michael Hagner. Für ihn stellt das Buch einen großen Gewinn dar, nicht zuletzt wegen seiner schönen, beinahe "darwinistischen" Argumentation, dass sich Eigenschaften wie Willensfreiheit oder Verantwortung trotz Fortschreiten der Neurowissenschaft in der Menschheitsgeschichte prima bewährt haben, spendet der Rezensent Beifall. Es nimmt Hagner dann auch nicht Wunder, dass der Autor einer "evolutionären Ethik" nichts abgewinnen kann, dafür aber eine Lanze für die soziale Neurowissenschaft bricht, die auch geistige und kulturelle Merkmale untersucht. Hier gibt der Rezensent allerdings zu bedenken, dass eine derartige Forschungsrichtung unter den Nationalsozialisten furchtbare Folgen hatte, die er in dem Band nicht angesprochen findet. Die Gefahren für unser bisheriges Menschenbild, die vom so genannten "Neuroenhancement" ausgehen, werden bei Pauen zwar genannt, der Autor gebe sich aber der Illusion hin, dass sich klar zwischen der unbedenklichen Erforschung der Grundlagen und der angewandten neueren Neurotechnologie, die in das Wesen des Menschen offensichtlich eingreifen, unterscheiden lasse. Das scheint Hagner etwas gutgläubig, denn so klar lässt sich heute eine Trennung nicht ziehen, wie er meint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2007
So richtig beruhigen lassen will sich Helmut Mayer nicht von diesem Buch. Besser als die bekannten Fanfarenstöße aus den Reihen der Naturalisten erscheint es ihm aber allemal. Kommt ihm der Titel auch etwas mächtig vor, dieser als historisierende Ergänzung seiner systematischen Arbeit an einer "Entzauberung naturalistischer Entzauberungen" gedachte Text Michael Pauens eröffnet dem Rezensenten, dass die wissenschaftlichen Revisionen des Menschenbildes nichts als Rhetorik geblieben sein könnten, allenfalls vielleicht besonders gelungene Beschreibungen unserer Fähigkeiten. Mayer nimmt das zur Kenntnis, zweifelt aber an einer Lordsiegelschaft der Gelassenheit auch bei diesem Autor. Vielleicht, meint er, müssen wir über das Thema einfach noch ein bisschen reden.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…