Michael Ondaatje

Katzentisch

Roman
Cover: Katzentisch
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446238589
Gebunden, 300 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Melanie Walz. Drei Kinder, zu Beginn der 50er Jahre, auf einer Seereise von Ceylon nach England. Zu der buntgemischten Gesellschaft an Bord des Schiffes gehören Außenseiter, die wie sie am Katzentisch sitzen, und andere Reisegefährten, nicht zuletzt die aus der noblen Senatorenklasse. Sie alle sind geheimnisumwitterte Objekte der Sehnsucht oder der Spekulation: der Baron, der so elegant Mitreisende bestiehlt, der todkranke Millionär oder die Artistentruppe mit Wahrsager, in den sich Emily verliebt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.03.2012

Michael Ondaatje neuer Roman "Katzentisch" ist für Rezensentin Katharina Granzin ganz große Literatur. Der Roman über eine dreiwöchigen Schiffsreise von Ceylon nach England, die der Ich-Erzähler als Kind unternommen hat und an die er sich als Erwachsener erinnert, eröffnet in ihren Augen einen beeindruckenden Erzählkosmos über das Leben an Bord. Sie hebt insbesondere Ondaatjes intensive erzählerische Gestaltung der Erinnerung hervor, die eine hohe Unmittelbarkeit des Erlebens einerseits, eine tiefe Reflektiertheit andererseits ins sich schließt. Die Schilderung der Schiffsreise scheint Granzin so reich an Details, so anschaulich und lebendig, "als erlebe der Erzähler das Erzählte im selben Augenblick nach".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Rezensent Helmut Böttiger hat mit Michael Ondaatjes neuem Roman "Katzentisch" einen "schillernden" Roman gelesen, der seine alltägliche Wahrnehmung gehörig auf den Kopf stellte. Immer wieder versucht der Kritiker die Figuren, etwa den elfjährigen Michael, der nach einem geheimnisvollen Vogel "Mynah" gerufen wird, zu greifen, um festzustellen, dass er mit seiner an realistischer Erzählliteratur geschulten Erfahrung nicht weiterkommt. Und so lässt sich Böttiger mit Ondaatjes Helden auf eine "raffiniert" erzählte und zwischen Traum und Wirklichkeit oszillierende Schiffsreise ein, die ihn von Sri Lanka nach London führt und auf der ihm zahlreiche rätselhafte Figuren wie etwa der unheimliche Jazzpianist Mr. Mazappa begegnen. Dass es dem kanadischen Schriftsteller gelinge, trotz des irritierenden Spiels mit verschiedenen Perspektiven und Erzählzeiten, so leichthändig und stimmig zu erzählen, ringt dem Rezensenten höchste Anerkennung ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.02.2012

Ganz bezaubert ist Rezensentin Sabine Vogel von diesem Roman des Kanadiers Michael Ondaatje, der darin von der Schiffspassage erzählt, die er als Junge unternommen hat, um von seinem Vater im damaligen Ceylon zu seiner Mutter nach England zu kommen. Allerdings warnt Vogel davor, alles für bare Münze zu nehmen, rein autobiografisch ist das Buch nicht erzählt. Aber um reines Fabulieren geht es Ondaatje auch nicht, wenn er von den Abenteuern des jungen Michael an Bord erzählt, der sich zusammen mit zwei Kumpanen vorgenommen hat, jeden Tag ein Verbot zu übertreten (das Buffet der Ersten Klasse plündern, im Rettungsboot übernachten, etc.). Es geht um die Formung von Persönlichkeit und von Erinnerung, erklärt Vogel, die das Buch nach eigenem Bekunden voller Wehmut und Heiterkeit zugleich beendet hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.02.2012

Begeistert schreibt Jörg Magenau über den neuen Roman von Michael Ondaatje. In diesem Buch geht es zwar um eine Episode in Ondaatjes Kindheit, die Schiffspassage von Sri Lanka nach England, die den Jungen zu seiner Mutter bringt. Autobiografisch mag Magenau das Buch dennoch nicht nennen. Zu subtil funktioniert Ondaatjes Transfer eigener Erinnerung auf fiktive Figuren. Das Ergebnis, meint Magenau, stimmt jedoch, die Bedeutung der Passage im Leben des Autors wird deutlich, auch weil Ondaatje die begrenzte Lebenswelt auf dem Schiff immer wieder öffnet in die Vergangenheit und die Zukunft. Der Roman beschert Magenau Spannung und Abenteuer, anders als üblicherweise in Seefahrergeschichten jedoch nicht mittels Piraten und Ungeheuern, sondern durch die Menschen selbst, deren Erleben und Sehnen er in der mikrokosmologischen Situation an Deck, verstärkt noch durch Ondaatjes Bildlichkeit, besonders stark nachempfindet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2012

Hymnisch bespricht Rezensent Markus Gasser den lyrischen Abenteuerroman "Katzentisch" des in Sri Lanka geborenen Autors Michael Ondaatje, den er als den "befreiendsten Schriftsteller unserer Zeit" würdigt. Von Ondaatje zu einer Wahrnehmung mit allen fünf Sinnen angeleitet, lässt sich der Kritiker von einer "herzweitenden" Seite zur nächsten treiben und begleitet - abwechselnd ergriffen von Sanftmut und Schaudern - den elfjährigen Michael, der auf einer Schiffsreise von Sri Lanka nach England zu Beginn der fünfziger Jahre nicht nur verschiedene Abenteuer mit seinen Freunden, sondern auch die erste Liebe zu der seelisch zerrütteten Emily erlebt. Darüber hinaus begegnen dem Rezensenten auf dem Schiff, das ihn eher an ein "schwimmendes globales Dorf" erinnert, zahlreiche mit viel Witz und Menschenliebe gezeichnete Figuren wie der melancholische Pianist Max Mazappa, dessen Begleitung Perinetta massenweise langweilige Bücher über Bord wirft, ein von Tollwut ergriffener buddhistischer Mönch oder der sprachbegabte Sperlingsvogel Mynah. Ondaatjes wunderbar prunkvolle und kuriose Metaphern - etwa Moskitonetze, die er mit "Kleidern erhängter Bräute" vergleicht - und sein Gabe, literarische Fluchtwelten zu erschaffen, hätten längst den Nobelpreis verdient, meint der schwärmende Kritiker.
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