Sigrid Löffler

Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler

Cover: Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406653513
Gebunden, 344 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Die Literatur der Welt ist in Bewegung: Als Ergebnis der Entkolonialisierung der 60er- und der Globalisierung der letzten 30 Jahre ist eine völlig neue, nicht-westliche Literatur entstanden, die zumeist von Migranten und Sprachwechslern aus ehemaligen Kolonien und Krisenregionen geschrieben wird. Nomadische Autoren erzählen farbig und prall, reflektiert und in den unterschiedlichsten Tönen Geschichten über gemischte Herkünfte und hybride Identitäten, transnationale Wanderungen und schwierige Integrationen. Sigrid Löffler stellt ihre wichtigsten Repräsentanten vor, ordnet ihre Werke bestechend und klug in die großen politisch-kulturellen Konfliktfelder der Gegenwart ein, von V.S. Naipaul, Salman Rushdie, Michael Ondaatje und J.M. Coetzee bis zu Aleksandar Hemon, Teju Cole und Gary Shteyngart.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.02.2014

Katharina Granzin hatte sich von Sigrid Löfflers "Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler" mehr erwartet, zum einen, weil sie die Autorin als Herausgeberin der Zeitschrift "Literaturen" sehr schätzt, zum andern, weil der Titel so vollmundig Großes verspricht. Wäre sie ohne Erwartungen an dieses Buch gegangen, wahrscheinlich hätte es ihr gefallen, vermutet die Rezensentin, die Zusammenfassungen der Bücher von etwa V.S. Naipaul oder Ngugi wa Thiong'o fand sie schließlich alle sehr schön. Aber Granzin vermisst den roten Faden: weder führt Löffler aus, was das Spezifische dieser "neuen Literatur" sei, noch gibt sie einen angemessenen Überblick über so etwas wie eine "Literatur mit migrantischem Hintergrund", wenn es denn nur darum ging, erklärt die Rezensentin. Für ein stimmiges Buch hätten Verlag und Autorin mehr tun müssen als "Literaturen"-Manuskripte "an den Rändern zu tackern", meint Granzin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.02.2014

Freudig schaut Arno Widmann Sigrid Löffler beim Denken zu, lässt sich von ihr mitnehmen auf die Reise durch "Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler", liest über Naipaul und Rushdie, von Chimamanda Ngozi Adichie und Ngugi wa Thiong'o, knüpft mit Löfflers Anregungen neue Verbindungen und Assoziationen - und lässt die Autorin dann denkend hinter sich. Die Weltliteratur, so der Rezensent, ist bei Löffler beschränkt auf die Erben der zerfallenden Kolonialreiche, die als Getriebene mit einem Identitäts-Wirrwarr begabt sind, dass ihnen zur Quelle ihrer Kreativität geworden ist. Aber die Welt ist größer, und das Projekt, sie ohne feste Grenzen zu denken, älter, hybride Identitäten sind nichts radikal neues, weiß Widmann: Löfflers neue Weltliteratur hat Tradition.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.01.2014

Schon lange dient die Literatur der Aufarbeitung von prekären Identitätserfahrungen, die sich besonders dann aufdrängten, wann immer jemand vertraute Gefilde verlassen musste, oder diese Gefilde selbst sich veränderten, weiß Ijoma Mangold. Angesichts der anhaltenden Umwälzung der Weltgesellschaft durch Migrationsströme wundert es den Rezensenten nicht, dass Autoren hybrider kultureller Identitäten inzwischen eher die Norm als die Ausnahme sind. Genau dieses Phänomen hat sich die Literaturkritikerin Sigrid Löffler für ihr Buch "Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler" herausgegriffen und anhand einer eindrucksvollen Materialfülle untersucht, berichtet Mangold, der sich von der Autorin allerdings etwas mehr Mut zu eigenen Vermutungen gewünscht hätte und etwas mehr Glauben an die "fantastische Kraft der Literatur zum kulturellen Nation-Building".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013

Insgesamt ziemlich enttäuscht zeigt sich Ina Hartwig von Sigrid Löfflers Überblick über "Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler". Schon konzeptionell mag die Rezensentin einige Entscheidungen, etwa die Auswahlkriterien und die Konzentration auf den englischen Sprachraum, nicht nachvollziehen. Auch an den einzelnen vorgestellten Autoren hat Hartwig einiges auszusetzen: warum Taiye Selasi statt Marie NDiaye, Sherko Fatah statt Terézia Mora? Die Darstellung der Autoren und ihrer Werke entbehrt nach Ansicht der Rezensentin zudem Löfflers üblichen souveränen Schmisses, und selbst wenn Hartwig mal einen Schriftsteller zu recht gewürdigt findet, wie etwa Teju Cole, dann geht ihres Erachtens die Analyse seines Werks am Wesentlichen vorbei.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013

Schade, schade, meint Rezensent Hubert Spiegel, der sich von diesem Buch viel versprochen hatte. Die Beschäftigung mit den neuen Weltliteraturen, findet er, ist nämlich überfällig. Aber so viel die Autorin Sigrid Löffler laut Spiegel auch weiß. Ihre Studie erscheint dem Rezensenten mangelhaft. Das fängt an mit dem Schwerpunkt des Britischen Empires, der das Fehlen deutschsprachiger Vertreter der Weltliteratur, wie Zaimoglu, Fatah und Trojanow, zum Bedauern des Rezensenten nach sich zieht, führt über die Spunghaftigkeit der Erzählung und hört auf mit einem für Spiegel nur schwer zu verstehenden unkritischen Begriffsgebrauch (Weltliteratur, Hybridität) und der Häufung sprachlicher Klischees. Nach anregendem Lektürebeginn findet Spiegel das Buch schließlich leider vor allem freudlos und mühsam zu lesen.
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