Michelle de Kretser

Der Fall Hamilton

Roman
Cover: Der Fall Hamilton
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2006
ISBN 9783608937404
Gebunden, 350 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger. Sam studiert in England, wo er schnell lernt, dass er mit seiner Hautfarbe besser sein muss als die anderen. Nach seiner Rückkehr stürzt er sich in eine Karriere im britischen Justizsystem. Bis er einen gravierenden Fehler begeht: Zu scharfsinnig löst er den Fall um die Ermordung eines britischen Teepflanzers. Nicht zwei Kulis, sondern ein Brite soll den Mord begangen haben. Nach diesem Vorfall bricht seine Karriere ein, immer mehr entgleitet ihm sein Leben. Sam heiratet eine unansehnliche Frau mit großer Mitgift, die er hasst. Und er verbannt seine verarmte Mutter auf den heruntergekommenen Familiensitz, wo sie in seidenen Abendkleidern durch den Dschungel läuft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2007

Beeindruckt zeigt sich Martin Zähringer von Michelle de Kretsers komplexem Epochenroman über die englische Kolonialgeschichte in Ceylon. Ausgangspunkt des Werkes sei ein historischer Kriminalfall, die Ermordung eines englischen Plantagenbesitzers, den der aus der ceylonesischen Oberschicht stammende und in England ausgebildete Richter Stanley Obeysekere mit detektivischen Spürsinn aufklären kann, ohne allerdings zu merken, dass er darüber zum Spielball einer politischen Intrige wird. Das eigentliche Thema des Romans sieht Zäheringer dabei weniger in dieser Kriminalgeschichte als im Niedergang der kolonialen Ordnung. Er versteht den Roman als "kunstvoll arrangierten Spiel" mit "literarischen Konventionen" und "drei Manuskripten", das sich letztlich um die zentrale Frage der Literatur des Commonwealth nach der gültigen Perspektive dreht. In Richter Stanley erkennt Zähringer die Figur des "Mimic Man", den literarischen Topos des kulturellen Überläufers, der sich allzu sehr mit dem Eroberer identifiziere. Er attestiert der Autorin, nicht nur diesen "Mimic Man" radikal zu dekonstruieren, sondern auch die Wurzeln des heutigen Konfliktes zwischen Singhalesen und Tamilen freizulegen.