Michael Kumpfmüller

Die Erziehung des Mannes

Roman
Cover: Die Erziehung des Mannes
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016
ISBN 9783462044812
Gebunden, 320 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

In einer Zeit, in der der moderne Mann so viele Rollen beherrschen muss wie noch nie, wächst die Gefahr des Scheiterns - aber auch das Glück des Gelingens. Wir treffen Georg, einen Studenten der Musikwissenschaft und angehenden Komponisten, als er mit Mitte zwanzig eine neue Frau kennenlernt. Sie wird etwas in ihm lösen, mit ihr wird er ins Leben aufbrechen, Kinder bekommen und doch keine glückliche Ehe führen. Er wird sich fragen, woran das liegt, was sein autoritärer Vater damit zu tun hat, der ein Patriarch alter Schule ist und die Familie durch diverse Affären ruiniert, und er wird einen großen Schritt in eine neue Liebe wagen. Doch frei ist Georg nicht mehr, denn er bleibt Vater von drei Kindern, die am Ende zur Liebeskonstante in seinem Leben werden. Über sie wird er sich seiner selbst bewusst, und an ihnen hält er fest, als sich alles andere aufzulösen scheint.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2016

Roman Bucheli muss viel lesen, um zu einer einfachen Erkenntnis zu kommen mit Michael Kumpfmüllers neuem Roman: Der Mann ist und bleibt ein unvollendetes Geschöpf. Dass der Autor diese Einsicht schon von Anbeginn erahnen lässt, macht die Lektüre auch nicht gerade spannender, lässt Bucheli wissen. Zu den wenigen Highlights des Textes, der eine verquälte bürgerliche Mannwerdung und Künstlerexistenz laut Bucheli immer wieder recht larmoyant, langweilig und fadenscheiniger Dramaturgie ausbuchstabiert, gehören für den Rezensenten Einlassungen zur Endlichkeit der Zeit, zum Tod und zum Leben mit Kindern und, ganz zum Schluss, ein karikaturistischer Schlenker.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2016

Rezensentin Eva Behrendt hat zwei markante Männerbücher gelesen, die offenbar interessante Querverwese erlauben: Thomas Glavinics viril über die Stränge schlagenden Roman "Der Jonas-Komplex", der in drei Erzählsträngen von Personen handelt, die mit dem Autor selbst identisch sein könnten oder auch nicht, und Michael Kumpfmüllers Roman "Die Erziehung des Mannes", in dem der Autor schildert, wie ein Mann im Laufe der Jahre endlich beziehungsfähig wird. Bei beiden Büchern handelt es sich um "Seelenerkundungen starker Icherzähler", konstatiert die Kritikerin, zudem sind beide Bücher nahezu nach Vorbild einer psychoanalytischen Therapie dreigeteilt, wühlen in der Materiallage der frühen Kindheit und bieten ihren Figuren Vaterschaft als Lösung an, erfahren wir aus dieser Doppelbesprechung. Doch auch Unterschiede macht die Kritikerin fest: Während Glavinic mitunter geradezu teuflisch unterhaltsam vom Exzess des Nachtlebens erzählt, folgt Kumpfmüller seiner Figur auf "manchmal allzu ernsthafte" Weise. Und während ersterer zum Loblied aufs Alleinsein anhebt, ist Kumpfmüllers Figur in ein Netz aus Beziehungen eingebunden, aus dem sie reifer hervorgeht. Am Ende schlägt das Herz der Rezensentin doch mehr für Glavinic als den grüblerischen Kumpfmüller.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.02.2016

Jörg Magenau hat in Michael Kumpfmüllers neuem Roman einiges über "Die Erziehung des Mannes" lernen dürfen. Das Ergebnis einer solchen erscheint dem Kritiker relativ ernüchternd, zumindest wenn er dem hier auftretenden Helden Georg, einem einzelgängerischen Komponisten, beim Scheitern einer Ehe und anderer Liebesbeziehungen folgt. Wie Kumpfmüller aber davon erzählt, präzise, unsentimental und sachlich - mit eindringlichen Rückblicken auf Kindheit und Jugend des Helden - gefällt dem Kritiker ausgesprochen gut. Gelegentlich hätte er sich eine weitere Perspektive, etwa jene der Exfrau, gewünscht; auch aus dem Alltagsleben des Künstlers hätte Magenau gern mehr erfahren. Nichtsdestotrotz findet der Rezensent diese generationsübergreifende Biografie eines liebenden Mannes aber sehr gelungen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.02.2016

Michael Kumpfmüller schreibt meist über politisch relevante Themen der Gegenwart und ist damit eine willkommene Abwechslung im gegenwärtigen Literaturbetrieb, findet Ursula März. Auch sein neuster Roman, "Die Erziehung des Mannes", verhandelt ein aktuelles Problem, erklärt die Rezensentin: die Männlichkeit der Männer - ihr betrauertes Schwinden und ihre verachteten Restbestände, so März. Kumpfmüller erzählt die Geschichte eines irgendwie unmündigen Mannes, Georg, der sich immer wieder in Beziehungen wiederfindet, die ihm eher passieren als dass er sie wählte, fasst die Rezensentin zusammen. Der Autor ist seiner Figur gegenüber zwar gnadenlos ehrlich, aber nie ungnädig, lobt März, die sich nur zum Schluss hin noch ein wenig mehr Innenschau des Ich-Erzählers gewünscht hätte, der für sie zu nachdrücklich ungreifbar bleibt.
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