Harriet Köhler

Ostersonntag

Roman
Cover: Ostersonntag
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Kölm 2007
ISBN 9783462037647
Gebunden, 210 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Dies ist eine ordentliche Familie, hier spricht man nicht miteinander. In ihrem beeindruckenden Debüt erzählt Harriet Köhler von vier Menschen, die ihre Familie am liebsten loswerden würden. Aber es bleiben die Wut, das Unverständnis, die Angst vor dem Altwerden und die Sehnsucht nach Anerkennung und Anteilnahme.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2007

"Jeder Satz ein Volltreffer" feiert Rezensent Martin Krumbholz dieses "glänzende Debüt" der dreißigjährigen Autorin. Das Wunderbare an Harriet Köhlers "messerscharfen Sentenzen" ist für den Rezensenten, "dass sie in keiner Weise angestrengt" wirken. Dabei klinge der Plot des Romans im "Kurzreferat" zunächst nach "einer Anhäufung altbekannter kleinfamilienkritischer Dekonstruktionsmotive": ein älteres Ehepaar, dass sich mit den erwachsenen Kindern auf das Osterfest vorbereitet, welches dann mit der Entlarvung der Familienidylle ein schlimmes Ende nimmt. Doch weil Köhler mit virtuosen Stilmitteln ihren Roman nicht nur multiperspektivisch auffächere, sondern mit Hilfe einer "brennend" intensiven Sprache ihren Protagonisten "gewissermaßen die Haut vom Leib" ziehe, glänzt die Geschichte als minutiöses Porträt heilloser Charaktere. Besonders fasziniert Krumbholz, dass Köhler ihren Roman in der zweiten Person Singular erzählt. Das hat für ihn die erstaunliche Wirkung, dass die erzählerische Anamnese dieses "so offensichtlich desolaten und himmelschreiend" wunden Personals "mit dem Auftragen einer Heilsalbe" durch ihre "begütigende Ansprache" vermittels der Erzählstimme im Grunde "in eins" fallen würden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2007

Meike Fessmann erkennt unumwunden das Schreibtalent von Harriet Köhler an, die mit "Ostersonntag" ihr Romandebüt gibt, aber sie sieht gerade daran diese Familiengeschichte scheitern. Der Roman ist in kurze Szenen gegliedert, in der wechselnd eine harsche, bissige Erzählinstanz über Bruder, Schwester, Mutter und Vater berichtet, die alle auf ihre Art am Leben scheitern, erklärt die Rezensentin. Insbesondere der Ton der Erzählerstimme, der zwischen Gouvernante und Animateurin schwankt, irritiert Fessmann nicht wenig, wenn sie auch nicht umhin kommt, die böse Genauigkeit, mit der die Schwächen der Protagonisten aufs Korn genommen werden, zu bewundern. Was für die Rezensentin aber den Roman ruiniert, ist die Tatsache, dass zu jeder Zeit spürbar bleibt, dass sich die Autorin nicht wirklich für ihre Protagonisten interessiert, sondern es ihr eigentlich um gelungene Assoziationen und Pointen geht. Und so gleitet das Ganze nicht selten ins Kalauerhafte, bedauert Fessmann enttäuscht.
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