Liane Dirks

Falsche Himmel

Roman
Cover: Falsche Himmel
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2006
ISBN 9783462037135
Gebunden, 144 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Nur wenig braucht es, damit alles ganz anders ist: Stürme sind über das Land gefegt, danach kamen Überschwemmungen, es ist seit Monaten unerträglich heiß, der Alltag ist aus den Fugen geraten. Zwei Frauen suchen Halt in einer haltlosen Welt. Ihr letztes Mittel ist die rückhaltlose Vergewisserung und: Kunst. Nüchterne Zahlen markieren die Lage: Sonntag, 10. August: 21.40, Temperatur: 37 Grad, Ozonwert: 360, Zustand des Himmels: klar. Das 18. Stockwerk eines Hochhauses ist zum Refugium für eine Frau und ihre Tochter geworden. Während draußen noch immer Fassadenkletterer und Bungeespringer ihre absurden Akte vollziehen, versucht die Mutter, sich Klarheit zu verschaffen, Rechenschaft abzulegen und dem Leben eine letzte Form zu geben. Sie schreibt Tagebuch, während ihre halbwüchsige Tochter durch die Stadt streift und sie weiß: Wenn das letzte Blatt gefüllt ist, werden sie die Stadt verlassen müssen. Die anderen gehen nämlich schon, formieren sich schon wieder zu stammesähnlichen Gruppen, schnell passen sie sich an die neuen Bedingungen an. Zurück bleiben die, die auf ihre Individualität pochen, Eigensinnige und Wunderliche wie der Puppenspieler Donati, der Rimbaud zitiert und sein krankes Kind mit wildem Trotz am Leben hält, der Interviewer, der immer weiter dieselben Fragen stellt, und die Aktionskünstlerin, die ihre nächste Performance plant, auch wenn es kein Publikum mehr gibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006

Einen kräftigen Verriss lässt Meike Feßmann über den jüngsten Roman von Liane Dirks niedergehen. Schon beim ersten Satz des in einer nicht näher bezeichneten Zukunft nach einem Klimawandel spielenden Buches schwant der Rezensentin nichts Gutes und ihre negative Erwartungshaltung wird durch die weitere Lektüre nur bestärkt. Sie findet Plattheiten, unheilschwangeres Raunen, Pathos und bemühte Heiterkeit und kommt zu dem Schluss, dass die Vorstellungskraft der Autorin einfach nicht ausreicht, um die zukünftige Welt, in der der Roman spielt, auch auszumalen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2006

Mittelprächtig scheint Sandra Kerschbaumer der neue Roman von Liane Dirks. Sie beschreibt das Werk als "eine Art Antiutopie", die ein finsteres Bild einer totalitären Gesellschaft am Rande der Katastrophe vermitteln will. Das gelingt der Autorin nach Ansicht Kerschbaumers allerdings nur bedingt. Was auch an der Ich-Erzählerin liegt, die die Verhältnisse protokolliert. Deutlich spürbar ist für sie die Mühe der Autorin, ihrer Erzählerin ein "eigensinnig-forsches Format" zu geben. Traurig, dass ihr dann doch nur eine Figur von "verblüffender Harmlosigkeit" gelingt. Dirks? Anspielungen auf Rimbauds "Eine Zeit in der Hölle" hält Kerschbaumer für kontraproduktiv, denn die "absorbierende sprachliche Kraft der Rimbaudpassagen" verderbe den Leser für die Prosa von Dirks. Insgesamt bietet der Roman mit seiner "mäßigen Erschütterung im Angesicht des Weltendes" für den Geschmack der Rezensentin schlicht zu wenig Katastrophe.
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