Michael Kleeberg

Der Idiot des 21. Jahrhunderts

Ein Divan
Cover: Der Idiot des 21. Jahrhunderts
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2018
ISBN 9783869711393
Gebunden, 464 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Orient und Okzident, Einwanderer, Auswanderer, Aussteiger, Islam, Christentum, Kapitalismus und die Suche nach dem Glück: Michael Kleeberg erzählt Geschichten und Schicksale in einer globalisierten Welt. Mühlheim bei Frankfurt. Ein Kreis von Freunden trifft sich und versucht, über Freundschaft und Gesellschaft nicht nur nachzudenken, sondern auch Utopien eines anderen Zusammenlebens zu verwirklichen. Dabei: Hermann, einst Doktorand der Philosophie, dann Aussteiger, jetzt Lehrer in Frankfurt. Maryam, eine iranische Sängerin, die auswandern musste, weil ihr das Singen verboten wurde. Dabei auch: Younes, ein libanesischer Pastor, Zygmunt, ein polnischer Handwerker, Bernhard, ein Ex-Sponti, der lange einen Verein für Jugendsozialarbeit leitete, Ulla, seine Frau, Kadmos, ein arabischer Lyriker. Kleebergs Buch spielt in Deutschland, Iran, im Libanon und im Reich der Mythen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.12.2018

Ulrich Gutmair setzt sich gern in Michael Kleebergs Küche, um zu lernen, wie sich's antiidentitär leben lässt. Groß findet er Kleebergs gesammelte Lebensgeschichten von Zugewanderten aus der Pfalz, aus Polen, Syrien und dem Libanon, die ihn ahnen lassen, dass der Orient nicht erst seit Sommer 2015 da ist. Romantisierende Schwächen im Text kann Gutmair verkraften. Seine Kunst und Ironie, sein Ernst und seine Vielstimmigkeit machen ihn laut Rezensent zu einem wichtigen, großen Roman über Kultur als Aneignung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2018

Rezensent Oliver Jungen schreckt nicht zurück vor Vergleichen des Autors mit Goethe und Thomas Mann. Michael Kleebergs Roman merkt er nicht nur die Weitgereistheit des Autors an, über den recht hohen Ton und eine gewisse "Überorchestrierung" des Textes großzügig hinwegsehend, erkennt Jungen in Kleebergs Ost-West-Geschichte auch den vielstimmigen Künder einer "Weltrepublik". Der stärkste Part des Romans ist für ihn eine Variation der altpersischen Geschichte "Leila und Madschun", die Kleeberg als realistische Liebesgeschichte einer iranischstämmigen Musikerin und eines freundlichen Doktoranden erzählt. Die Mischung aus Mythischem, Gegenwart und Reflexion findet Jungen beeindruckend. Ein engagiertes "Wunderbuch" über die Begegnung von Orient und Okzident, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.08.2018

Für Meike Fessmann ist Michael Kleebergs Roman weniger als Vademecum über den Islam interessant, sondern eher als Generationenroman über Exil und Heimat. Die "große Erkenntnissehnsucht", die sie im Text erkennt, das Kreisen um das mögliche richtige Leben im falschen, manifestiert sich im Text laut Fessmann als multiperspektivisches Erzählen in vielen Stilen und Tonlagen, als Legende, realistisches Erzählen, Essay, historischer Exkurs, Epitaph, Blog oder Geheimdienststory. Dass der Orient in der auf drei Paare verteilten Handlung als etwas Erfreuliches erscheint, stellt Fessmann ebenso fest wie den Umstand, dass der Autor mitunter bieder und betulich wirkt und sprachlichen Klischees verfällt. Letzteres verwundert die Rezensentin bei einem Stilist wie Kleeberg.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2018

Für Paul Jandl will Michael Kleebergs Roman einfach zu viel. Das Wissen des Autors vom Orient kommt dabei schlecht weg und wird im Text zu "Zuckerguss-Orient", bedauert Jandl. Dass der Autor bei seinem Versuch zu einer "Enzyklopädie der migrantischen Weltlage" zwischen Gross-Frankfurt und Beirut allzu viel von Nächstenliebe und zu wenig von aktueller deutscher Gegenwart fabuliert, findet er schade. Geschichte auf Geschichte türmend, mal essayistisch, mal dadaistisch, so Jandl, verliert sich der Text in "tausendundeinem Klischee". Wenn der Autor schließlich die große Utopie der Gastfreundschaft und des Zusammenlebens ausruft, ist der Rezensent schon ermattet.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.08.2018

Mit seinem Vorhaben, nach Goethes Vorbild einen zeitgenössischen "West-Östlichen Diwan" zu schreiben, hat sich Michael Kleeberg etwas übernommen, findet Rezensent Tilman Krause. Sein neuer Roman "Der Idiot des 21. Jahrhunderts" versammele Porträts von Menschen, die sich gezwungen sahen, ihre Geburtsländer zu verlassen, darunter sowohl Deutsch- als auch Arabischstämmige, schreibt der Rezensent. Einige dieser Lebensgeschichten seien spannend und realistisch, andere driften laut Krause ins Weitschweifige, Umständliche, Klischeehafte und Schulmeisterliche ab. Kleebergs Absicht, darauf aufmerksam zu machen, dass "Eurabien" längst Realität sei, und den Appell, die "west-östliche Verzahnung" als Chance zu sehen, fand Krause dennoch lobenswert.