Michael J. Sandel

Plädoyer gegen die Perfektion

Ethik im Zeitalter der genetischen Technik
Berlin University Press, Berlin 2008
ISBN 9783940432148
Gebunden, 175 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Rudolf Teuwsen. Nun sind moralische Gefühle noch keine Argumente. Aber Gefühle haben einen propositionalen Gehalt, der sich explizieren und gegebenenfalls begründen lässt. Auf diesem Wege möchte Sandel moralische Grenzen der Verfügung über die natürlichen Lebensgrundlagen von Personen begründen. Es geht ihm um eine philosophisch einleuchtende Erklärung des Gebots, nicht alles, was technisch machbar ist, in marktgängige Technologien umzusetzen. Aber sollte nicht in einer liberalen Gesellschaft die Nachfrage der Konsumenten darüber entscheiden, was angeboten wird? Wer darf sich zum Richter über die Präferenzen der Bürger aufspielen?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2008

Einen "eindringlichen Essay" erblickt Uwe Justus Wenzel in Michael J. Sandels Plädoyer gegen die bio- und gentechnologische "Optimierung" des Menschen. Er attestiert dem Philosophen, das Gefühl des Unbehagens über dieses Phänomen zu artikulieren und Argumente daraus zu gewinnen. An Sandels kritischer Auseinandersetzung mit der Sucht nach gentechnischer Perfektionierung hebt er mehrere Punkte hervor: das Plädoyer für einen ehrfürchtigen Blick auf das Leben als einer Gabe, den drohenden Verlust von Solidarität und eine menschlich unverantwortbare Potenzierung der Verantwortung, die aus der bio- und gentechnologischen Manipulation resultiert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.07.2008

Interessant und wichtig findet Rezensentin Elisabeth von Thadden dieses Buch des amerikanischen Philosophen über die Frage, warum sich der Mensch neuerdings so gern selbst optimiert, qua Schönheits-OP oder Gen-Manipulation zum Beispiel, und nicht die Welt, in der er lebt. Leider hat Michael J. Sandel für ihren Geschmack seine Fragen aber nicht überzeugend genug ausgearbeitet und dann wohl auch in zu stark moralisierenden Argumenten verankert, deren Kategorien der Rezensentin undeutlich bleiben. Ihr selbst wäre auch einiges eingefallen, was man hier hätte verhandeln können, den Freiheitsbegriff zum Beispiel: Dürfen wir, was wir können? Stattdessen verliert sich Sandel aus ihrer Sicht im diffusen Licht eines Liebesbegriffs, den sie an dieser Stelle für nicht besonders sachdienlich hält.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.06.2008

Grandios findet Christian Schlüter diesen Essay, mit dem der Harvard-Professor Michael J. Sandel dem argumentativen Gehalt moralischer Bedenken angesichts der Gentechnologie auf den Grund gehen möchte. Laut Schlüter gelingt ihm das in "bester angelsächsischer Tradition": Präzis, differenziert, anschaulich. Was Sandel dann von hinlänglich bekannten, moralisch eindeutig erscheinenden Argumenten gelten lässt, macht Schlüter staunen. Pointiert und für Schlüter durchaus religiös gefärbt stellt der Professor fest: Der genetische Zufall ist grundlegend für die menschliche Freiheit. Dass Sandel dabei immer "auf Augenhöhe" mit den besten Argumenten der gentechnologischen Optimierung schreibt, nötigt dem Rezensenten und auch dem prominenten Verfasser des Vorworts Respekt ab.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.05.2008

Rezensent Oliver Müller schätzt Michael J. Sandels "Plädoyer gegen die Perfektion", auch wenn er einige Punkte für heikel hält. Die kritische Auseinandersetzung des Philosophen mit der technologischen, pharmazeutischen und genetischen Optimierung des Menschen überzeugt ihn durch seine zugrunde liegende "Ethik des Augenmaßes". Sandels Analysen von Phänomenen wie Doping, Ritalin-Konsum und genetischen Verbesserungsversuchen gehen seines Erachtens der Sache auf den Grund. Nicht so ganz glücklich ist Müller dann allerdings mit der Argumentation des Autors, wenn er sich auf die "religösen Rückbindungen" des Menschen bezieht. Er bedauert zudem, dass Jürgen Habermas im Vorwort des Buchs nicht wirklich auf Sandels Kritik an einigen seiner Argumente in der bioethischen Debatte eingeht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2008

Sehr eingenommen ist Christian Geyer von Michael J. Sandels "Plädoyer gegen die Perfektion". Zustimmend äußert er sich über die kritische Auseinandersetzung des Autors, eines Philosophen in Harvard, mit dem zunehmenden, offenen und verdeckten Zwang zur Optimierung von Körper und Geist, der sich in Fitnesswahn und Schönheitschirurgie ebenso niederschlägt wie im Doping beim Sport oder in der pränatalen Diagnostik. Besonders die Analyse der pränatalen Diagnostik und der daraus folgenden "Überdehnung" der Verantwortung für die Menschen scheint Geyer erhellend. Er hebt in diesem Zusammenhang den Aspekt der Selbstentmachtung hervor, der in der biotechnischen Anpassung und Veränderung der menschlichen Natur liegt.
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