Ulrich Körtner

Lasset uns Menschen machen

Christliche Anthropologie im biotechnologischen Zeitalter
Cover: Lasset uns Menschen machen
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406535130
Kartoniert, 240 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Ulrich Körtner zeichnet in diesem Buch die Grundzüge einer christlichen Anthropologie, die das Recht des Menschen auf Unvollkommenheit ebenso verteidigt wie sein Recht, sich den medizinischen Fortschritt zunutze zu machen. Ein grundsätzliches, nachdenkliches Buch, das weit über die Kirchen hinaus die Diskussionen über "Bio-Ethik" neu beleben wird. Die neuen Anthropotechniken wie Präimplantationsdiagnostik, Stammzellforschung oder Hirnforschung setzen auf die technische Manipulation des menschlichen Körpers bis hinein in die kleinsten Bausteine. Gerade Christen haben diesen Möglichkeiten bisher mit Formeln wie "Bewahrung der Schöpfung" ein entschiedenes Nein entgegengesetzt. Aber besteht wirklich Anlass, alarmiert zu sein? Widersprechen die neuen Life Sciences einem christlichen Menschenbild?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2005

Durchaus beeindruckt zeigt sich der Rezensent Burkhard Müller von diesem Buch - wenngleich er, das fügt er sofort hinzu, mit der Prämisse des Ganzen, einer festen Verwurzelung im protestantischen Glauben nämlich, wenig anfangen kann. Überhaupt legt sich die "Skepsis", mit der er den Band in die Hand genommen hat, erst in den Kapiteln nach der "langen Einleitung", deren "Bulletin-Deutsch" ihm wenig behagt. In den Argumenten des Theologen Ulrich H.-J. Körtner entdeckt er dann aber neben dem Glauben doch beträchtlichen Realitätssinn. Welch "erstaunliche Tiefe" der "evangelische Freiheitsbegriff" besitzt, war ihm beispielsweise vor der Lektüre nicht klar. Gegen einen Pragmatismus der Schutzfristen hat er, was den Beginn des Lebens und damit die Erlaubnis zur Abtreibung angeht, keine Probleme. Da ist Körtner, staunt Müller, sogar "säkularen Angsthasen" wie Jürgen Habermas voraus. Bei allem Respekt bleibt dem Rezensenten aber doch unklar, wer genau nun der Adressat des Buches sein soll: Es wäre im Grunde für jeden am Thema Biopolitik von Interesse, das Vokabular aber verbleibe doch oft im "Binnentheologischen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2005

Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Michael Pawlik von Ulrich Körtners Buch "Lasset uns Menschen machen". Wie er berichtet, sucht Körtner, Professor für evangelische Theologie der Universität Wien und Mitglied der österreichischen Bioethikkommission, darin nach Rechtfertigungen für die Biopolitik, auch um Skeptiker in seiner Zunft zu überzeugen. Der Autor unterscheide den "Ursprung oder Grund der eigenen Lebensgeschichte in Gott" und den "zeitlich fixierbaren Anfang" des Menschen, und verschaffe sich so eine rechtfertigungstheologische Begründungsbasis dafür, dem frühen Embryo einen strikten moralischen oder gar rechtlichen Schutz zu versagen. Konsequenterweise halte er eine kategorische Ablehnung der Präimplantationsdiagnostik (PID) für "ethisch nicht gut begründet". Theologisch relevant sei vielmehr die Frage, "ob im Geiste der Liebe gehandelt, das heißt aber auch die Not der betroffenen Paare gesehen wird" (Körtner). Pawlik hält dem Autor vor, von dem Anliegen motiviert zu sein, nicht mit den von ihm vermuteten "moralischen Intuitionen der Bevölkerung" in Konflikt zu kommen - und nicht von theologischen Überlegungen. Generell findet Pawlik das Buch immer dann schwach, wenn es um konkrete Fragen der Biopolitik geht. Mit keinem Wort nehme der Autor etwa dazu Stellung, ob die Zulassung der PID nicht sein Anliegen eines diskriminierungsfreien gesellschaftlichen Klimas zu konterkarieren drohe.
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