Als führende Gestalt im Kirchenkampf gegen Hitler, als profilierter Vertreter des bundesdeutschen Protestantismus und als streitbarer, gegen die deutsche Wiederbewaffnung aufbegehrender religiöser Pazifist gehört Martin Niemöller (1892-1984) heute zu den bekanntesten Kirchenmännern des 20. Jahrhunderts. Dass er zum Mann des Widerstands, zum Friedenskämpfer und kirchlichen Nonkonformisten wurde, war freilich alles andere als selbstverständlich. Der kaiserliche Marineoffizier und U-Boot-Kommandant, der Pfarrer in der Weimarer Republik teilte die deutschnationalen Auffassungen und antidemokratischen Ressentiments vieler seiner Zeitgenossen - bis die nationalsozialistische Diktatur und ihr Kampf gegen das Christentum Niemöller dazu brachten, sich aus den überkommenen Denkmustern des obrigkeitstreuen Nationalprotestantismus zu lösen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2017
Rezensent Rainer Hering findet Michael Heymels Anspruch, das Leben und Wirken des Pfarrers Martin Niemöller aus der historischen Distanz zu würdigen, nicht immer erfüllt. So sieht er kritische Momente im Leben des Pfarrers nur angerissen, etwa sein antidemokratisches Engagement an der Uni Münster. Die kirchliche Einordnung kommt Hering zudem manchmal zu kurz. Dass der Autor den Nachlass nicht systematisch auswertet, hält der Rezensent zudem für ein Versäumnis. Gut lesbar findet er das Buch dennoch. Heymels Stärke erkennt er in der Auswertung der Dahlemer Predigten Niemöllers, dieses Protestanten von Weltrang, wie Hering schreibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2017
Wolfgang Huber wägt die profunde Quellenkenntnis des Autors Michael Heymels in Sachen Niemöller gegen die historische Einordnung durch den Biografen ab. Letztere kommt leider zu kurz, meint der Rezensent und nimmt Matthias Schreibers Niemöller-Biografie zur Hand. Huber kritisiert auch, dass der Autor Niemöllers Weg von der Marine zur Kanzel nicht genau genug schildert. Und als "radikalen Pazifisten", wie es Heymel macht, möchte er Niemöller auch nicht bezeichnen. Ein Plus der Biografie erkennt der Rezensent hingegen darin, dass der Autor die Rolle Niemöllers als Kirchenführer einbezieht, auch wenn sein Versuch, die Richtigkeit von Niemöllers Standpunkten für die Gegenwart zu beweisen, nicht immer erfolgreich ist.
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