Der medizinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hilft zahllosen Patienten, verschafft Heilung oder zumindest Linderung, rettet und verlängert Leben. Gleichzeitig hat Hochleistungsmedizin, wie sie in unseren Krankenhäusern praktiziert wird, aber auch ihre Schattenseiten. Michael de Ridder, seit über dreißig Jahren an verschiedenen Kliniken in Hamburg und Berlin als Internist, Rettungs- und Intensivmediziner tätig, plädiert dafür, Sterben wieder als Teil des Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen. Er richtet sich damit nicht zuletzt an die eigene Zunft. Vielfach verstehen sich Ärzte in einer medizinisch-technischen Krankenhauswelt, in der alles möglich scheint, ausschließlich als Heilende. Was aber, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist? Wenn ein Patient "austherapiert" ist, wie es im Fachjargon heißt? Statt Todkranke um jeden Preis am Leben zu erhalten, müssen Mediziner lernen, in aussichtslosen Situationen ein friedliches Sterben zu ermöglichen. Gerade hier, so de Ridder, sind Ärzte gefragt, als Begleiter, als Fürsorger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2010
Michael Pawlik macht sich nichts vor. So aufrüttelnd der Appell des Berliner Arztes Michael de Ridder zu einem Umdenken bei der Priorisierung von Gesundheitsleistungen auch auf ihn wirkt, so wirkungslos, meint er, wird er verhallen. Wer das auf der jahrzehntelangen klinischen Erfahrung des Autors basierende Buch gelesen hat, das weiß Pawlik allerdings auch, wird wenigstens nicht sagen können, er habe nichts gewusst von einer die Palliativmedizin und Pflege blockierenden Pharma- und Medizintechlobby, von der gesellschaftlichen Blindheit gegenüber Alter und Tod und von der Chance, durch Einschränkungen im akut-medizinischen Bereich, ein würdevolleres Sterben zu ermöglichen.
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