Abends friedlich einschlummern und im Schlaf sanft hinübergleiten. So stellen sich viele von uns einen guten Tod vor. Für schwerkranke Menschen, deren Lebenszeit begrenzt ist, sind dagegen oft andere Dinge wichtig: ausreichend Zeit für den Abschied, keine Schmerzen zu spüren und dem Tod ohne Furcht begegnen zu können. Die Palliativmedizin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität ihrer Patienten in ihrer letzten Lebenszeit zu fördern und ihnen so die Möglichkeit zu geben, in Würde zu sterben. Dabei geht es ihr nicht nur um Schmerztherapie und Angstlinderung, um Trost und Beistand für die Sterbenden und ihre Angehörigen, sondern auch darum, dem Tod Raum und Zeit zu geben, seinen Moment zuzulassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2013
H. Christof Müller-Buschs Buch "Abschied braucht Zeit" über Palliativmedizin und Ethik des Sterbens ist wesentlich mehr als ein "Sterberatgeber" für Laien und Angehörige, stellt Rezensent Ulrich Bonk klar. Mit großem Interesse folgt er dem ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, den er als schulmedizinisch und anthroposophisch geprägten Arzt schätzt, durch dieses "faktenreiche" und angenehm zu lesende Überblickswerk und erfährt etwa, weshalb die Entwicklung der Palliativ-Versorgung in Deutschland erst derart verzögert begann. Anschaulich erkläre der Autor auch die Widersprüche zwischen der Intensivmedizin und der palliativen Versorgung, die sich vor allem in der funktionellen und ökonomischen Bedeutung von Sterbenden offenbare, berichtet der Kritiker. Darüber hinaus stelle Müller-Busch die Scham am Lebensende, das Angewiesensein auf Hilfe mit Preisgabe von Intimität, das oft mit Depressionen einhergehe, eindrücklich dar, so der Rezensent, der dieses mit zahlreichen Verweisen auf medizinische und philosophische Literatur angereicherte Buch nur unbedingt empfehlen kann.
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