Michael Brenner (Hg.), David Myers (Hg.)

Jüdische Geschichtsschreibung heute

Themen, Positionen, Kontroversen. Ein Schloss Elmau-Symposion
Cover: Jüdische Geschichtsschreibung heute
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406488788
Broschiert, 308 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Dieser Band versammelt einen Großteil der weltweit renommiertesten Fachleute, die sich mit den Errungenschaften und Perspektiven jüdischer Geschichtsschreibung zu Beginn des 21. Jahrhunderts auseinandersetzen. Ausgehend von sechs Themen - Objektivität und Ideologie, Erinnerungsdiskurs, Religion und Modernisierung, Frauengeschichte, Zionismus und Holocaust -, bringen Historiker unterschiedlicher Fachrichtungen und Generationen dem deutschsprachigen Publikum den internationalen Forschungsstand nahe und regen neue Fragestellungen an. Damit zeigen sie die Vielfalt jüdischer Geschichte und Geschichtsschreibung auf und stellen erstmals umfassend die Perspektiven dieses expandierenden Forschungsgebiets vor.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2002

H. D. Kittsteiner weist sich in seiner sehr eingehenden Rezension des Sammelbandes über aktuelle Fragen der jüdischen Geschichtsschreibung als Kenner jüdischer Historiographie aus, und er scheint sich in seiner Besprechung auch an ebensolche Eingeweihten zu richten. Zunächst stellt er die Frage, ob ein solches Buch, das aus einem Symposion des Jahres 2000 hervorgegangen ist, nicht notgedrungen durch die Ereignisse vom 11. September 2001 vollkommen überholt sein muss. Doch attestiert er den einzelnen Beiträgen, dass sie "einige Reflexionen" enthalten, die immer noch aktuell sind. Das Buch beschäftige sich mit dem Holocaust, dem Zionismus und der theoretischen Frage nach der "Säkularisierung der jüdischen Geschichtsschreibung", erklärt der Rezensent. Dann wendet er sich den einzelnen Aufsätzen zu, die er weniger kritisiert, als dass er sich in eine intensive inhaltliche Diskussion mit ihnen begibt. Wenn auch der unbedarftere Leser dieser Rezension vielleicht nicht allzu viel von den Argumenten und Gegenargumenten verstehen wird, die Kittsteiner nun ausbreitet, so gewinnt er doch den Eindruck, dass der Rezensent recht zufrieden mit dem Buch ist. Abschließend attestiert Kittsteiner dem Band, dass es einige schon lange auf der jüdischen Geschichtsschreibung lastenden "Problembrocken" herausarbeitet hat und sich dabei einer "vergleichsweise ruhigen Sprache" bediene, die nach dem 11. September vielleicht nicht mehr möglich gewesen wäre.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Der Sammelband über die gegenwärtige jüdische Geschichtsschreibung, der in Folge einer internationalen Historikertagung auf Schloss Elmau entstanden ist, dokumentiere, berichtet Willi Jasper, einmal die Ergebnisse dieser hochkarätig besetzten Konferenz und zeige zum anderen die Differenzen von Forschern in der Interpretation von intellektuellen und institutionellen Positionen in der Rekonstruktion von jüdischer Geschichtsschreibung. Äußerst kontrovers diskutierten die Autoren, allesamt "renommierte" Wissenschaftler aus den USA, England und Deutschland, Themen wie den Zionismus, die Religion, Modernisierungsprozesse, den Holocaust, den Terminus Erinnerung und das Spannungsverhältnis zwischen Objektivität und ideologischer Sichtweise. Im Ergebnis zeigten, so Jasper, die hier zusammengetragenen Beiträge vor allem eines: heute werde in der Forschung mehr Wert darauf gelegt, auf "Risse und Brüche" in der Vergangenheit zu achten als auf "Kontinuitäten". Für die "jüdische Historiografie", so der Rezensent, komme das einer "reflexiven Wende" gleich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2002

Das weite Feld jüdischer Geschichtsschreibung mit seinen komplexen Fragestellungen ist nicht wirklich einzugrenzen. Das macht nach Ansicht von Rezensent Jakob Hessing dieser "hervorragend edierte" Tagungsband sichtbar. In sechs Kapiteln mit je drei Vorträgen zu einem vorgegebenen Thema stellt er einige Gegensätze vor, die diesen Forschungsbereich polarisieren, berichtet Hessing, der im weiteren einen knappen Überblick über die einzelnen Kapitel gibt. So zeigt zum Beispiel das Kapitel "Zionismus und Nationalismus" laut Rezensent, wie schwierig es ist, die "jüdische" Geschichte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Auch die Grenzlinie zwischen sakralem und historischem Selbstverständnis, das im Kapitel "Religion und Modernisierung" thematisiert wird, ist nicht unumstritten, berichtet der Rezensent. Im letzten Kapitel "Der Holocaust und historisches Denken" klage Yfaat Weiß die von der Historikerzunft oft zurückgewiesene Zeugenschaft der Opfer ein, während Ulrich Herbert aus Freiburg auf seiner professionellen Pflicht beharre, die deutsche Seite der Ereignisse zu erforschen. Anders als Saul Friedländer in seinem Schlusswort ist der Rezensent allerdings der Auffassung, dass die Standpunkte sich nicht annähern, sondern unlösbar verkoppelt und zugleich getrennt blieben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.06.2002

Jüdische Geschichtsschreibung ist heute, stellt Christoph Schulte fest, nicht länger eine "jüdische Domäne", sondern wird auch von nicht-jüdischen Historikern erforscht und ist auch schon lange nicht mehr allein auf die Geschichte der jüdischen Religion, sondern auch auf die Geschichte der Juden ausgerichtet. Das zeigt auch der vorliegende Sammelband, so der Rezensent. Dessen Konzept findet Schulte "überzeugend". "Systematisch" werden hier Themen, Positionen und Kontroversen der gegenwärtigen Geschichtsschreibung miteinander konfrontiert und mit der notwendigen Distanz gewürdigt, erkennt der Rezensent an, der in seiner Besprechung des weiteren sehr detailliert auf die einzelnen Aufsätze dieses Sammelbandes eingeht.
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