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Michael Borgolte

Christen, Juden, Muselmanen

Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr.
Cover: Christen, Juden, Muselmanen
Siedler Verlag, München 2006
ISBN 9783886804399
Gebunden, 608 Seiten, 74,00 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen, zum Teil farbigen Abbildungen. Am Ende der Antike betreten die Germanen die Bühne der europäischen Geschichte. Sie zerstören das Reich der Römer und retten es zugleich, indem sie seine Kultur in der ihren aufgehen lassen. Das Christentum stellt die Einheit des Abendlandes her. Die Klöster, Rückzugsorte und Stätten des Gebets werden zugleich zu Hütern der Gelehrsamkeit. Daneben entstehen an den Fürstenhöfen und in den Städten eine weltliche Kunst und Kultur. Durch die Kreuzzüge kommt Europa in Kontakt mit der Gedankenwelt des Islam. Die mittelalterliche Welt scheint uns fern gerückt zu sein, und doch ist sie uns in ihren Gottesentwürfen, ihrer Kunst und ihren Bauten ganz nah. Die römischen Dome und gotischen Kathedralen schlagen uns noch heute in ihren Bann. Die ritterliche Welt mit ihren Burgen und Minneliedern hat zu allen Zeiten die Fantasie beflügelt. Das Mittelalter ist nicht vergessen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2006

Beeindruckt zeigt sich Gottfried Schramm von Michael Borgoltes Arbeit über die Grundlegung des modernen Europas im europäischen Mittelalter. Mit dessen Deutungen ist er gleichwohl nicht immer einverstanden. Er bescheinigt dem Autor auf jeden Fall profunde Sachkenntnis und stupendes Wissen. Zugleich fühlt er sich von der Fülle des angehäuften Materials manchmal fast ein wenig erschlagen. Borgoltes Ansatz, das Mittelalter vom konfrontativen Verhältnis der drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam her zu verstehen, findet Schramm durchaus originell. Gerade hier aber liegen auch seine Einwände. So bewertet er den Einfluss des Judentums bei der Gestaltung Europas zurückhaltender als Borgolte und akzentuiert auch die Gegenüberstellung des christlichen Abendlandes und des islamischen Morgenlandes anders. Kritisch betrachtet Schramm schließlich das Gewicht, das Borgolte auf die Kirchen- und Religionsgeschichte legt, während die politische Ordnung und die Universitätsgeschichte seines Erachtens zu kurz kommen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2006

Im Großen und Ganzen findet Hans-Albrecht Koch das Buch des Mediävisten Michael Borgolte interessant, das sich mit der Geschichte des europäischen Mittelalters vom 300 bis 1400 nach Christi. befasst. Die Idee, das Mittelalter aus dem Verhältnis der drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam heraus zu betrachten, findet er originell und teilweise "kühn" ausgearbeitet, aber notwendigerweise auch etwas "unscharf", da alle drei Religionen auf verschiedene Weise monotheistisch und deshalb nicht immer vergleichbar sind. Der Autor steuere dagegen, indem er jede Religion auf einen charakteristischen Begriff reduziert, wogegen der Rezensent offenbar nichts einzuwenden hat. Die Darstellung im ersten Teil, die sich zu einer vergleichenden Religionsgeschichte des Mittelalters entwickelt, kommt Koch recht "bunt" vor und erfordere einige Bemühungen von seiten des Lesers. Habe man sich aber einmal eingefunden, erscheine alles "wohlgeordnet" und vernünftig, was auch den Abbildungen und ihren umfangreichen Anmerkungen zu verdanken sei. bemerkt er. Einige Aspekte wie die Wirtschaftsgeschichte, fehlen zwar, wie Koch feststellt, was ihn aber in Anbetracht des speziellen Blickwinkels von Borgolte nicht allzu sehr stört.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2006

Claudia Märtl nimmt ihren Job ernst. Und sie hat offenbar die Sachkenntnis, diesen zweiten Band der bei Siedler erscheinenden Geschichte Europas ausgiebig unter die Lupe zu nehmen. Nicht zuletzt deshalb fällt ihr Urteil wohlwollend, vor allem aber äußerst differenziert aus. Überrascht und gut gefallen hat ihr die von Michael Borgolte vertretene Sicht eines monotheistischen (anstelle eines bloß christlichen) Mittelalters. Die sich daraus ergebende vergleichende Religionsgeschichte, der umfangreichste Teil des Bandes, erscheint Märtl dadurch bereichert. Dass dieser grundsätzlich zu begrüßende Ansatz des Autors auch seine Tücken hat, entgeht Märtl nicht: Für zu kurz gekommen ob der Abwehr eines rein christlichen-kirchlichen Mittelalters hält sie wichtige Bereiche der damaligen europäischen Kultur, wie etwa die Literatur. Die Ausstattung betreffend (Layout, Illustration, Karten) freut sich Märtl über den, wie sie sagt, für diesen Verlag gewohnt hohen Standard. Allerdings sieht sie auch hier etwas genauer hin ­ und entdeckt manch fehlerhafte Bildbeschreibung.
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