Klaus Herbers, Helmut Neuhaus

Das Heilige Römische Reich

Schauplätze einer tausendjährigen Geschichte (843-1806)
Cover: Das Heilige Römische Reich
Böhlau Verlag, Köln 2005
ISBN 9783412234058
Gebunden, 343 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Als Franz II. am 6. August 1806 die Kaiserkrone niederlegte und damit auch das Ende des Heiligen Römischen Reiches besiegelte, tat er dies in Wien, seiner Residenzstadt im äußersten Südosten des Reiches. Gut 1000 Jahre zuvor hatte Karl der Große Aachen zu seiner Lieblingspfalz erkoren. So hatte sich im Verlaufe seines Bestehens offenbar das Zentrum des Reiches, das an antik-römische Traditionen anknüpfte, vom Westen nach Südosten verlagert. Dieses Alte Reich, zu dem lange Zeit auch Italien und Burgund gehörten und dessen Grenzen sich in Mittelalter und Früher Neuzeit mehrfach änderten, hat seine Faszination bis heute nicht verloren. Welche Landschaften und Orte im Laufe seiner Geschichte eine besondere Rolle spielten, veranschaulicht dieser reich bebilderte Überblick. Die Reise führt von Aachen nach Wien, rheinaufwärts und donauabwärts, vom Mittelmeer bis an die Ostsee. Anhand seiner Schauplätze verfolgen die Autoren Entstehung und Entwicklung des Reiches: Aachen als Krönungsort, Frankfurt am Main als Wahlort, Regensburg als Sitz des Reichstags. Besucht werden ferner Orte wie Nürnberg, Prag oder Wien, an denen sich Könige und Kaiser häufig aufhielten. An zahlreichen weiteren Stätten werden andere bedeutende, aber auch weniger bedeutende Ereignisse der Reichsgeschichte aufgespürt. In Texten und Bildern entwirft der Band eine Gesamtansicht des imperialen Gebildes, das erst seit dem 12. Jahrhundert "Heiliges Römisches Reich" hieß und den Zusatz "deutscher Nation" dann im späten 15. Jahrhundert erhielt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2006

Zufrieden ist Erwin Seitz mit diesem Werk über "Das Heilige Römische Reich" von Klaus Herbers und Helmut Neuhaus. Die in Titel und Einführung angedeutete Geschichte von Erinnerungsorten kommt für ihn allerdings viel zu kurz. Er sieht in dem Werk vielmehr eine "konventionelle Totalgeschichte", eine chronologische Darstellung von Haupt- und Staatsaktionen der Könige und Kaiser, von Kriegen und Dynastiewechseln, Verschiebungen von Machtzentren und äußeren Grenzen. Mögliche ideelle "Erinnerungsorte" und "Schauplätze" sowie das geistige und kulturelle Gefüge des Reichs bleiben zu seinem Bedauern "unterbelichtet". Davon abgesehen hält Seitz das Werk für durchaus gelungen. So attestiert er den Autoren, die Entstehung des Heiligen Römischen Reichs von den Wurzeln her verständlich zu machen, und zu zeigen, wie die unterschiedlichen Reiche - das Fränkische, das Ostfränkische, das Deutsche und das Heilige Römische Reich - auseinander hervorgingen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2006

Die Autoren haben einen "guten Gedanken" gut umgesetzt, lobt Rezensent Harm Klueting. Nicht die Chronologie des Reiches von 843 bis 1806, sondern seine "Schauplätze" bildeten die Ordnungsstruktur des Bandes. Der Leser könne sich dank der vielen Abbildungen der Geschichte blätternd nähern, von Ort zu Ort. Aber auch gelesen hinterlasse das Buch einen profunden Eindruck. Ganz nebenbei umgehe solche Art der Geschichtsdarstellung auch den unterschiedlichen Perspektiven der österreichischen und bundesdeutschen Geschichtswissenschaft. Für das 17. und 18. Jahrhundert sprächen beide Seiten von verschiedenen "Reichen", wenn sie vom "alten Reich" sprächen. Aus österreichischer Sicht sei damit das Habsburgerreich vom Hochrhein bis in die Karpaten gemeint.