Die ganze Welt spricht über Flüchtlinge und Migranten, Melita H. Šunjić, langjährige Pressesprecherin des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen, spricht mit ihnen. In den vergangenen Jahren führte Melita H. Šunjić Interviews in Asien, Afrika und Europa. Sie sprach mit Menschen, die die Absicht hatten, nach Europa zu kommen, die sich auf dem Weg befanden oder schon angekommen waren.In ihrem Buch erörtert sie die wichtigsten Begriffe und Zusammenhänge der Migrationsdebatte und geht mit der europäischen Migrationspolitik ins Gericht, die seit Jahren erfolglos auf der Stelle tritt. Darüber hinaus gibt sie Betroffenen eine Stimme und lässt sie von Flucht und Migration erzählen: Warum kommen sie, wie kommen sie, was haben sie sich erträumt und was finden sie tatsächlich vor? Prototypische Fallgeschichten führen dramatische Lebensrealitäten vor Augen und zeigen, wie Schlepper- und Menschenhändlerringe funktionieren und welche Rolle soziale Medien dabei spielen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.03.2021
Rezensentin Sieglinde Geisel würde dieses Buch gerne zur Pflichtlektüre für Politiker machen, um die aktuelle Migrationsdebatte aufzurütteln. Denn die österreichische Autorin und Journalistin Melita Šunjić erzählt in neun Geschichten, die auf über 2000 Interviews mit Geflüchteten basieren, von deren Lebensrealität und Desillusionierung über Europa. Spannender als die Forderungen Šunjićs im zweiten Teil des Buchs findet die Rezensentin diejenigen der Migranten selbst - so seien zum Beispiel Kooperationen zwischen Städten statt Staaten oder die Heranziehung von Geflüchteten in Entscheidungen der Migrationspolitik vorgeschlagen worden, staunt Geisel. Eine schwer erträgliche, aber äußerst dringliche Lektüre, meint sie.
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