Max Scharnigg

Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe

Roman
Cover: Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2011
ISBN 9783455403138
Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Was ist zu tun, wenn vor der eigenen Wohnungstür ein fremdes Paar Herrenschuhe steht? Wenn man von drinnen seine Freundin und eine unbekannte Männerstimme hört? Der Journalist Nikol Nanz macht das, was er am besten kann: Er übt sich im Rückzug und richtet sich erst mal häuslich unter der Treppe ein. In seinem Versteck unter der Treppe hofft Nikol ungestört an einem Text über die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand schreiben zu können. Aber die Arbeit gerät bald ins Stocken. Das liegt nicht nur an den ungelösten Rätseln um seine Freundin, mit der ihn bis dahin eine herrlich abgeschiedene Liebe verband. Es liegt auch am alten Schmuskatz, dem ehemaligen Gletscherfotografen und Bergkristallverkäufer, der ihn in seinem Versteck aufstöbert und zum Essen einlädt. Gemeinsam versuchen sie, die Trampelpfade einer Liebe nachzugehen und Nikol zurück in den zweiten Stock zu bringen...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.07.2011

Sehr freundlich bespricht Marie Schmidt dieses Buch ihres Journalistenkollegen und Sprachkolumnenautors Max Scharnigg, der darin die skurrile Geschichte eines Mannes erzählt, der lieber nicht so viel Kontakt zu anderen Menschen pflegt. Als eines Tages ungebetener Besuch dräut, verkriecht er sich unter den Treppenabsatz und fabulierrt sich im Duett mit seinem nicht minder absonderlicher Nachbarn, einem Gletscherfotografen. Die pikareske Handlung hat die Rezensentin dabei weniger interessiert als die bedächtige Erzählweise, der man in jedem Satz die Verblüffung darüber anmerkt, wie sich Sätze Wort für Wort zusammenfügen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2011

Für Andrea Diener ist dieser Kurzroman eine Enttäuschung. Nicht, weil er durchweg schlecht wäre, sondern weil sie ihn zunächst über die Maßen "sympathisch" findet. Sein Autor, Max Scharnigg, erprobe sich hier in der Gattung Novelle. Es geht um das nächtliche Ersteigen einer Haustreppe in Analogie zu einer historischen Steilwandbezwingung, die vom Protagonisten wiederum journalistisch bewältigt werden muss. Originalität in Idee und Anlage des Textes spricht die Rezensentin ihm ebensowenig ab wie einen gewissen Wortwitz in der szenischen Ausgestaltung. Ernüchtert nimmt sie jedoch zur Kenntnis, dass Scharnigg seinen Lesern jegliche Überraschung versagt - ungebrochen bis zum Schluss beispielsweise strapaziere er die diversen Aufstiegstopoi. Ganz im Gegensatz zu den Widrigkeiten, denen er seine fiktiven Kletterer aussetzt, scheue der Autor selbst jegliche Anstrengung: Scharnigg "flaniert allzu geradlinig sein eigenes Textgebirge hinauf", ärgert sich die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2011

Über diesen äußerst skurrilen Debütroman des Journalisten Max Scharnigg kann Rezensent Rainer Moritz (übrigens einst Chef des Verlags, wo das Buch erscheint) gar nicht genug gute Worte verlieren. Die "sympathisch-aparte" Geschichte, so Moritz, handelt von Nikol Schanz, einem jungen Journalisten, der mit einem Artikel über die Besteigung der Eiger-Nordwand beschäftigt ist, als er eines Tages nach Hause kommt und im Wohnungsinneren seine Freundin mit einem Fremden sprechen hört. Fluchtartig den Rückzug antretend versteckt er sich unter einem Treppenabsatz, wo ihn der greise Gletscherfotograf Schmuskatz findet und mit zu sich nimmt. Bei Paprikahuhn und in Gegenwart eines ausgestopften Hausreihers fassen die beiden den Entschluss, mit Bergschuhen und Eispickeln ausgerüstet, den Aufstieg in die zweite Etage in Schanz? Wohnung anzutreten. Dabei entwickele sich nicht nur die zu einer absurden Erzählung gehörende Spannung, so der Rezensent, sondern Scharnigg gelinge mit sprachlicher Eleganz und viel Komik, die Verbindung der dramatischen Ereignisse an der Eiger-Nordwand mit dem Versuch, zwei Treppenhausabsätze zu bewältigen. Ein "erzählerisches Bravourstück", urteilt der Kritiker.
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