Christian Lorenz Müller

Wilde Jagd

Roman
Cover: Wilde Jagd
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2010
ISBN 9783455402896
Gebunden, 254 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Emmeran, der sich lieber um die Tiere kümmert und allein draußen im Holz arbeitet, statt viel zu reden. In seiner Freizeit gibt er den ländlichen Dämonen der Mittwinterzeit Gesichter, indem er behörnte Holzmasken schnitzt - bis er durch den möglicherweise folgenschweren Unfall von Johannes plötzlich aus der Bahn geworfen wird. Schuld und Sorgen treiben ihn um. Da lernt er Katja kennen und verliebt sich in sie. Durch sie kann sich die Verhärtung um ein lange gehütetes Geheimnis langsam lösen, und eine scheinbar im Schweigen erstarrte Welt beginnt sich zu verändern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2011

Der Debütroman des Wahlsalzburgers Christian Lorenz Müller ist mit dem Leben in der österreichischen Provinz befasst - eine Tatsache, die den Rezensenten Walter Hinck zu einer ausführlichen Einleitung über Blut-und-Boden- beziehungsweise Anti-Blut-und Boden-Dichtung inspiriert. Müllers Roman ist jedoch weder das eine noch das andere, teilt Hinck schließlich mit. Seine Hauptfigur leide an Schuldgefühlen gegenüber einem verunglückten Verwandten und erfreue sich der Liebe zu einer zugezogenen Arzthelferin - im Zentrum stehen folglich eher private Sorgen als gesellschaftskritische Reflexionen, wie die eher spärliche Inhaltsbeschreibung der Rezension vermuten lässt. Für "anmutig" immerhin befindet Hinck besagte Liebelei, obwohl ihn andere Aspekte des Romans mehr beindruckt haben: das von Emmerans Fastnachtsmasken vollführte "marionettenhafte Grotesktheater" etwa oder "folkloristische Zutaten" wie eine im letzten Augenblick verhinderte Dorfschlägerei. Mehr als einen Ausweis der Genrebeherrschung des Autors kann der Rezensent jedoch nicht darin erkennen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2011

Jörg Magenau sieht die Zukunft des Bauernromans in einer Zeit, in der Bauern zu "Agrarmaschinisten" werden, deren Zahl stetig kleiner wird, dennoch nicht bedroht. In seinem Debüt beschwört auch Christian Lorenz Müller eine bäuerliche Welt im Salzburger Land, die klischeehafter kaum sein könnte, wie der Rezensent irritiert bemerkt. Es geht um ein dunkles Familiengeheimnis, einen Kreissägenunfall und um eine rettende Krankenschwester, erfahren wir, und Magenau findet auch die Auflösung des Rätsels um den schweigsamen Bauern und Maskenschnitzer Emmeran und seinen vorgeblichen Neffen ziemlich durchsichtig. Dass der Autor dann auch noch seine vom auktorialen Erzähler vorgetragenen Sätze penetrant in einer seltsam "holpernden" Grammatik verpackt, lenkt den unfrohen Rezensenten enorm vom ohnehin absehbaren Geschehen ab, und so glaubt er, dass sich nur die Leser von diesem Roman fesseln lassen, die der Bedeutung dieser Grammatik Interesse entgegenzubringen vermögen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.11.2010

Kein einfaches, sondern widersprüchliches Leseerlebnis gibt Anton Thuswaldner bei diesem Debütroman zu Protokoll. Es handelt sich um eine Art Heimatroman, wie er schreibt. Er spiele im Hier und Jetzt, unter anderem in hochtechnisierten Ställen. Und doch wirkt das Buch auf ihn, wie von weit her. Echte Kerle bevölkern es, wie wir lesen, die hin und wieder in Schlägereien verwickelt sind. Fiese Typen machen dubiose Geschäfte und die Menschen scheinen ihm alle grundsätzlich in ein Gefühlskorsett gesperrt zu sein. Die Sprache sei mal kühn, dann wieder konventionell. Es gehe rauh zu, aber dumpf werde es nie. Denn dieser Autor gestehe seinen Figuren einiges an Tiefe zu, schreibe gegen die Oberflächlichkeit des Stadtlebens und die Kritik des Heimatromans im Anti-Heimatroman an. Aber so ganz kann der Kritiker diesem Konstrukt nicht vertrauen, ist doch aus seiner Sicht die Antwort von Christian Lorenz Müller auf den Anti-Heimatroman eine neue Idylle, die er ganz offensichtlich genau so verdächtig findet.
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