In Zeiten der Krise leiden Gesellschaft und Vielfalt. Für Max Czollek bieten staatstragende Konzepte wie "Leitkultur" oder "Integration" darauf keinerlei Antwort. Seit 2018 wird viel diskutiert über Max Czolleks Streitschrift "Desintegriert euch!". Beschrieb sie den Status quo des deutschen Selbstverständnisses, entwirft Czollek nun das Modell für eine veränderte Gegenwart: Wie muss sich die Gesellschaft wandeln, damit Menschen gleichermaßen Solidarität erfahren? Welche liebgewonnenen Überzeugungen müssen wir alle dafür aufgeben? Wie kann in einer fragmentierten Welt die gemeinsame Verteidigung der pluralen Demokratie gelingen? Max Czollek trifft ins Herz des Jahres 2020 - diese Polemik ist sein Schrittmacher.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2020
Rezensent Günther Nonnenmacher kann Max Czolleks Streitschrift zum Thema Rechtsradikalismus nicht allzu viel abgewinnen. In dem schnittigen Text erkennt er zwar durchaus den Schriftsteller und Poeten, die Analyse des Politologen vermisst er allerdings. Wenn Czollek beispielsweise den Begriff "Heimat" mit "völkischem Denken" kurzschließt, ohne zu bedenken, dass es durchaus auch jenseits der Rechten ein Heimatbedürfnis gibt, gerät dem Kritiker der Text zu platt. Beispiele dieser Art entdeckt Nonnenmacher einige: Auch der These, die gescheiterte deutsche Vergangenheitsbewältigung sei der Grund für den neuen National-Populismus, kann der Rezensent nicht zustimmen: Wie erklärt sich Czollek dann nationale Bewegungen im Rest von Europa, in den USA oder in Brasilien? Ein paar treffende Punkte gesteht er dem Autor zwar zu, insgesamt erscheinen ihm Czolleks Überlegungen aber nicht zu Ende gedacht.
Für Ralph Gerstenberg ist das neue Buch von Max Czollek eine Polemik im besten Sinn, scharfsinnig, aufklärerisch und schlagkräftig. Wenn der Autor über die "beschränkte Solidarität" in der Coronakrise schreibt, über Antisemitismus und den konservativen Konsens oder den Zusammenhang von DDR-Antifaschismus und dem Erfolg der AfD in den neuen Bundesländern, erwartet Gerstenberg keine sanften Ansprachen. Czollek positioniert sich - für eine erweiterte Solidarität, für andere Perspektiven und gegen "deutsche Leitkultur", erklärt er. Dass dabei das Abwägen von Argumenten und die wissenschaftliche Belegbarkeit manchmal zu kurz kommen, kann der Rezensent dem Autor nachsehen.
Patrick Wagner ist hocherfreut, von Max Czollek das Narrativ um die deutsche Nachkriegsgesellschaft, um Wiederaufbau und Wiedervereinigung endlich um ein paar Wahrheiten erweitert zu bekommen. Dass zu deutscher Kultur nicht nur Wagner, Böll und Grass gehören, sondern auch Samy Deluxe und Paul Celan, dass Thea Dorns Theorie über den Zuammenhang von nationaler Verwurzelung und guter Kultur nicht der Realität entspricht, hört sich der Rezensent gerne an. Argumentativ und strategisch für Teilhabe kämpfend und gegen die sogenannte deutsche Mehrheitsgesellschaft, macht der Autor ganz schön Dampf, meint Wagner.
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