Deutschland versteht sich als Erinnerungs- und Aufarbeitungsweltmeister. Aber wie kommt es dann, dass Rechtspopulisten Wahlen gewinnen, rechtsextremistische Straftaten unzureichend aufgeklärt werden und "Nie wieder ist jetzt" zu einer Phrase verkommt? Max Czollek und Hadija Haruna-Oelker meinen, dass das auch an einer gescheiterten deutschen Erinnerungskultur liegt. Gemeinsam denken sie über eine neue Praxis nach, die die Gegenwart so einrichtet, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.10.2025
Lest dieses kluge Buch, legt Rezensent Michael Hesse seinen eigenen Lesern ans Herz. Max Czollek und Hadija Haruna-Oelker beschäftigen sich darin mit der deutschen Erinnerungskultur, insbesondere hinsichtlich jüngerer Enwicklungen der Jahre 2010-2025, Stichworte: Sarrazin, NSU, AfD, 7. Oktober. Am besten gefallen Hesse die Analysen der AutorInnen, die sich auf diskursive Mechanismen der Erinnerungspolitik beziehen, wie etwa auf ritualisierte Sätze der Marke "Nie wieder ist jetzt". Besonders stark ist das Buch, fährt Hesse fort, weil es dabei nicht stehen bleibt, sondern positive Akzente setzt, unter anderem, indem dem Primat vom Deutschsein eines der Anerkennung von Unterschiedlichkeit entgegen gesetzt wird. Über rechte Taktiken der Diskursverschiebung und über ideologische Verengungen auch im linken Lager lernt Hesse ebenfalls etwas von Czollek und Haruna-Oelker. Was es genau heißt, dass die beiden im Buch einen Dialog führen, erfahren wir von Hesse hingegen nicht. Jedenfalls hält der Rezensent die Veröffentlichung für einen sehr relevanten Beitrag zu einem wichtigen Thema.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.10.2025
Autor Max Czollek und Journalistin Hadija Haruna-Oelker bezweifeln, dass Deutschland seine Gewaltgeschichte wirklich kritisch aufgearbeitet hat, da Wahlerfolge der AfD, zunehmender Rassismus und Antisemitismus zeigen, dass Erinnerung oft nur symbolisch bleibt, wie Rezensent Franz-Paul Helms beleuchtet. Erinnerungskultur diene häufig der nationalen Selbstvergewisserung, statt echte Selbstkritik und gesellschaftliche Veränderung zu fördern. Medien und Politik trügen durch die Übernahme rechter Narrative und die Entwertung antirassistischer Begriffe zur Verengung des Diskurses bei. Die Ursache für die gegenwärtige Krise sehen die Autoren in der Verdrängung der Kontinuität rechter Gewalt. Czollek und Haruna-Oelker verorten die Lösung in der Zivilgesellschaft, die Erinnerung so gestalten sollte, dass "plurale Lebensrealitäten" in ihre abgebildet werden, erklärt der Kritiker. Ein "Patentrezept" gibt es hier nicht, aber ein kompetente Suche nach Anworten, schließt Helms.
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