Aus dem Italienischen von Malte Osterloh. Mit einem Vorwort von Werner Gephart. Dieses Buch, das in Italien bereits mehrere Auflagen erlebt hat, ist ein Manifest, das sich gegen zwei Bewegungen wendet: gegen das postmoderne Denken und seinen Kult der Ironisierung, der das Denken insgesamt unter den Universalverdacht der Fälschung setzt und den Wert der Wirklichkeit bzw. eines Wissens von Wirklichkeit diskreditiert - und gegen einen Konstruktivismus, der die Welt in der Begriffsarbeit seiner Beobachter hervorbringt. Ferraris' Thesen sind aufregend in einem Klima, in dem die beliebige Setzbarkeit des Rechts durch nichtbeliebige Grundrechte, Menschenrechte und institutionelle Ewigkeitsklauseln (Art. 79, Abs.3 GG) limitiert wird. Sie leisten "Aufklärung" auch darüber, dass sich die letzte Frage der "Gerechtigkeit" nicht dekonstruieren lässt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2014
Uwe Justus Wenzel hat seine Vorbehalte gegen das Manifest eines neuen, kritisch-moralischen Realismus, wie es Maurizio Ferraris hier vorlegt. Zu unbestimmt erscheint ihm Ferraris' Stoßrichtung, zu unbestimmt auch sein Verständnis von Wissen und Welt. In solchen Momenten fühlt sich Wenzel an Marx und Engels und ihr Manifest erinnert. Ferraris' Abkehr vom Geist des Antirealismus und seine Wende hin zu einem neuen Realismus mit einer echten Wahrheit als Kern, die der Autor laut Wenzel immer wieder an den 11. September 2001 zurückbindet, findet der Rezensent, lasse zwar einen Hauch von Weltgeschichte spüren. Wenn der Autor seinen Text dauernd mit italienischem Lokalkolorit würzt und die Medien- und Spektakelwelt der Berlusconi-Ära als Beispiel für eine fehlgeleitete Postmoderne anführt, scheint dem Rezensenten die Perspektive allerdings allzu eng.
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