Michael Dummett

Wahrheit und Vergangenheit

Cover: Wahrheit und Vergangenheit
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518584439
Kartoniert, 138 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Joachim Schulte. Mit einem Vorwort von Akeel Bilgrami. Im Zentrum dieses Buches, wie von Michael Dummetts Philosophie überhaupt, steht die von Wittgenstein inspirierte Überzeugung, dass sämtliche metaphysischen und erkenntnistheoretischen Probleme eigentlich semantische Probleme sind, die mit dem komplexen Verhältnis zwischen der Bedeutung, der Wahrheit und dem Verstehen von Aussagen zusammenhängen. In dieser Perspektive legt Dummett den defizitären Kern realistischer Bedeutungstheorien frei und entwickelt seine berühmte Alternative: den Antirealismus. Während Wahrheit für den Realisten letzten Endes durch einen Zustand in der "wirklichen Welt" verbürgt wird, der unabhängig von menschlichem Sprechen und Denken besteht, ist Wahrheit für Dummett das, was kompetente Sprecher je aktuell zu wissen und zu rechtfertigen imstande sind. Da Wahrheit in diesem Sinne jedoch eine radikal auf die sprachliche Gegenwart bezogene Angelegenheit ist, scheint der Antirealist gezwungen, die Wahrheit der Vergangenheit zu leugnen und Aussagen über die Vergangenheit als bedeutungslos zu klassifizieren - eine überaus kontraintuitive Konsequenz.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.12.2005

Bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich der britische Philosoph Michael Dummett mit der Frage, inwieweit man gerechtfertigte Aussagen über die Vergangenheit machen kann, erklärt Manfred Geier, der in dem Band mit Vorträgen an der New Yorker Columbia University von 2001 sowohl die "Stärken" als auch die "Schwächen" der "analytischen Philosophie" demonstriert sieht. Denn einerseits führe der Autor das Problem der Vergangenheit in seiner ganzen "verwirrenden Komplexität" eindrucksvoll vor, wobei Dummett durch "begriffliche Präzision und logische Strenge" überzeuge, so der Rezensent anerkennend. Andererseits bemängelt er, dass die philosophische Debatte im Grunde nur noch für "Fachleute", für den interessierten Laien dagegen kaum verständlich ist. Denn besonders mit den Ausführungen zum "Wahrheitsbegriff" wird nur derjenige etwas "anfangen können", der die Texte von Gottlob Frege, Donald Davidson und anderen Vertretern der Zunft gelesen hat, vermutet Geier. Dafür findet er das dritte Kapitel, in dem der Autor beschreibt, wie ein Kind lernt, "Aussagen über die Vergangenheit" zu machen, sehr "anregend", wie er lobt.

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