Mit der deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg ging auch eine geteilte Rezeption Friedrich Nietzsches einher. In Ost und West hatte man auf je eigene Weise Probleme mit dem unbequemen Denker, der durch die nationalsozialistische Werkexegese zusätzlich gelitten hatte. Matthias Steinbach hat dem DDR-Verhältnis zu Nietzsche nachgespürt und entwirft so einerseits ein auch autobiografisch untersetztes zeithistorisches Panorama, andererseits gelingt ihm ein spannender Blick auf den Umgang mit Philosophie und ihren Protagonisten überhaupt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2021
Rezensent Elmar Schenkel erfährt vom Historiker Matthias Steinbach, wie man in der DDR mit Nietzsche umsprang. Materialreich und "flott" der Chronologie der Ereignisse folgend nähert sich der Autor laut Schenkel der Beschäftigung mit dem Philosophen an Orten wie Naumburg, Leipzig, Weimar, durch Theologen (Schorlemmer), pilgernde Wessis (die Eheleute Jens), die Stasi und erbitterte Gegner (Wolfgang Harich). Das ist für Schenkel mitunter "mühsame Aktenlektüre", aufgelockert immerhin durch Interviews. Ein dennoch aufschlussreiches Buch, findet der Rezensent, das anhand seines Themas zudem den Ost-West-Konflikt abbildet.
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