Matias Faldbakken

Armes Ding

Roman
Cover: Armes Ding
btb, München 2024
ISBN 9783442762668
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Max Stadler. "Eines Tages, es ist noch nicht lange her, kam ein Kind aus dem Wald gekrochen. Das arme Ding ..." - so beginnt der neue Roman Matias Faldbakkens. Der einsame Waisenjunge Oskar arbeitet für Kost und Logis auf dem Hof von Aud und Olav Blum. Eines Tages entdeckt Oskar im Wald ein völlig verwahrlostes Kind, das er einfängt und mit nach Hause nimmt. Das Kind leidet an Wachstumsstörungen und kann kaum sprechen. Doch unter der Obhut von Oskar entwickelt es sich in rasantem Tempo zu einer hübschen jungen Frau, die die Ordnung auf dem Hof gehörig durcheinanderwirbelt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.10.2024

Interessiert, aber nicht unbedingt enthusiastisch bespricht Rezensent Tobias Lehmkuhl dieses Buch, das sich dem Kaspar-Hauser-Motiv annimmt, allerdings mit einem Kniff: Die vor Dreck starrende, kleine, fast tierartige Gestalt, die in einem von der Welt isolierten norwegischen Kaff auftaucht, ist kein Junge, sondern ein Mädchen. Das, fährt Lehmkuhl fort, bald zur Frau heranwächst. Thematisch geht es um das Problem der Wildheit, erfahren wir, die Hauptfigur lernt zwar schnell, aber dennoch bleibt etwas Unzivilisiertes in ihr, was sich vor allem in ihrem Sprechen äußert - wobei im Buch selbst die Sprache der weiblichen Kaspar Hauser erst ganz am Ende auftaucht, in einem Monolog. In kurzen Szenen und durchaus filmisch ist dieser Roman erzählt, schließt der Rezensent, dessen Kritik auf Wertung weitgehend verzichtet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2024

Ein "Hexengebräu" nennt Rezensent Franz Haas den sechsten Roman von Matias Faldbakken, ein Ding aus eben jener Werkstatt, aus der auch "Frankenstein" stammt, eine hervorragende, gruselig witzige, faszinierende Mixtur aus Märchen, Romantik, Horror und postmoderner Literatur, kurz gesagt: Ein Kunstwerk. Im Zentrum steht laut Kritiker ein Findling, ein wildes Mädchen, das von einem Bauernjungen erst aufgepäppelt wird und dann verführt und dominiert, gemeinsam fliehen sie durch den Wald in die Stadt, wo sie mit dem "überkultivierten Intellektualismus" der modernen, urbanen Welt konfrontiert werden. Das Ganze kulminiert in einem Gedicht der Protagonistin, so Haas, in dem Faldbakken noch einmal seine Kritik ironisch verdichte, die beides sehe und karikiere: Stadt und Land, als Gegensätze, zwei Seiten einer Medaille. "Brillant!", findet das der Rezensent.
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