Aus dem Norwegischen von Katharina Martl. Nordfinnland, 1859: Brita Caisa wird nach einer Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann von der Kirche verstoßen und muss ihren Heimatort verlassen. Sie setzt ihre beiden Söhne auf einen Rentierschlitten, nimmt ihre Skier und bricht in einem Tross auf zum norwegischen Eismeer. Dort, so heißt es, soll das Meer vor Fischen brodeln und es ausreichend Arbeit und Essen geben. Als sie unterwegs den Hofbesitzer Mikko kennen lernt und eine vorläufige Anstellung findet, spürt sie, dass sie sich mit ihm eine Zukunft vorstellen könnte. Doch die gegenseitige Zuneigung wird auf eine harte Probe gestellt. Ingeborg Arvola schildert eine junge Frau, die mit den Normen der Gesellschaft hadert und mutig ihren eigenen Weg geht. In einer Welt, geprägt von der nordisch-kargen Landschaft, der Bedeutung des Fischfangs, Gottesgläubigkeit und einer tiefen, von Mystik durchzogenen Verbindung zur Natur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2025
Dieser Roman in "bester skandinavischer Erzähltradition" spielt in Finnmark, von da aus liegen selbst Finnland und Schweden im Süden, hält der begeisterte Rezensent Stephan Opitz fest. Die norwegische Autorin Ingeborg Arvola hat darin einen Teil ihrer Familiengeschichte verarbeitet, erfahren wir, die Hauptfigur Brita Caisa, unwiderstehlich schön, mit unwiderstehlich gutem Charakter und fast magischen Heilkräften ausgestattet, sei einer Urahnin nachempfunden: Brita sei wegen ihrer zwei unehelichen Söhne von der Kirche als Sünderin verstoßen worden, sie sehne sich nach einem besseren Leben und breche gemeinsam mit einer Reisegruppe in Richtung Eismeerküste auf um dort ihr Glück zu machen. Gebannt verfolgt Opitz die Reise der Gruppe durch die weiten Landschaften und ihre Begegnungen mit verschiedenen Sprachen und Kulturen. Eine Szene bleibt ihm besonders im Gedächtnis: Brita heilt einen Bauern, dessen offene Wunde schon fault, mit Beschwörungen. Diesen Roman, der den Auftakt für eine Trilogie bildet, kann man im Regal getrost zu den großen Klassikern der norwegischen Literatur stellen, befindet der Kritiker.
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