Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. David hat sein Gedächtnis verloren. Er weiß nicht mehr, wer er ist. In einer Zeitungsanzeige fordert er Verwandte und Bekannte auf, ihm einen Brief zu schreiben, um ihm seine Erinnerungen zurückzugeben. Und er bekommt Antworten auf seine Fragen. Aber will er die wirklich hören? Denn sie sind ganz unterschiedlicher Art und nicht immer schön. Sein Jugendfreund Jon, ein Musiker, der gerade den Halt zu verlieren scheint, meldet sich. Sein Stiefvater Arvid, ein Pfarrer, der auf den Tod wartet. Und seine Jugendliebe Silje, eine Frau mittleren Alters, die möglicherweise gerade im Begriff ist, aus ihrer Ehe auszusteigen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.03.2016

Aldo Keel möchte schon Karl Ove Knausgard vergessen angesichts dieser Strindbergschen Familienanalyse aus Mittelnorwegen von Carl Frode Tiller. Psychologisch scharf und dialogfest breitet ihm der Autor eine Biografie aus drei Perspektiven aus, unzuverlässig alle drei, weil keine der eigentlichen Hauptfigur zuzuordnen ist, die im Dunkel bleibt, wie Keel erläutert. Spannend findet er den Text, der als erster Teil einer Trilogie im norwegischen Original bereits 2007 erschien, da Tiller die aufgefächerte Rekonstruktion einer Vergangenheit in den 80er Jahren mit Lebensgeschichten aus dem Jahr 2006 verbindet. Die Analyse von Scheitern und Enttäuschungen innerhalb der Familie wechselt sich ab mit einem "Enthüllungsdrama" von Ibsenscher Wucht, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2016

Peter Urban-Halle fürchtet, auch noch die künftigen Romane von Carl Frode Tiller lesen zu müssen. Mit seinen Anleihen bei Albee und Bergman greift der Autor viel zu hoch, findet der Rezensent. Tillers lebloses "Rapport-Präsens" jedenfalls hält er nicht lange aus. Der Inhalt des Buches, in dem es um Amnesie und die Rekonstruktion der gemeinsamen Vergangenheit von vier Figuren geht, scheint Urban-Halle dabei schon trostlos genug. Kaum eine Szene, in der nicht gestritten wird, kaum eine Erinnerung ohne Tod und Elend, meint er. So geben sich Inhalt und Form in gewisser Weise die Hand in diesem Buch, lässt der Rezensent uns wissen.
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