Martin Schneitewind

An den Mauern des Paradieses

Roman
Cover: An den Mauern des Paradieses
dtv, München 2019
ISBN 9783423281874
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Raoul Schrott. Mit Nachworten von Michael Köhlmeier und Raoul Schrott. Eine Suche nach unseren Wurzeln im Chaos der Gegenwart. David Ostrich, Orientalist aus Toronto, will am Persischen Golf zu den Legenden der Genesis forschen. Von Thaut, der dort ein riesiges Dammbauprojekt dirigiert, erhält er einen überraschenden Auftrag: Ostrich soll Thauts verschwundene Tochter aufspüren. Forsch beginnt Ostrich die eingeschüchterten Bewohner des Arbeitslagers auszuhorchen und erfährt bald von einem Geheimnis, das den autoritären, durch Wanderbewegungen bedrohten Wüstenstaat zusammenhält. Doch nützt dies Ostrich nicht: Er droht Opfer von Machtspielen zu werden - und seines eigenen Hochmuts.


Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2019

Rezensent Jochen Schimmang ist sich ziemlich sicher, dass Michael Köhlmeier und Raoul Schrott den Autor Martin Schneitewind erfunden haben, um zusammen einen Roman zu schreiben. Schließlich tauche in dem Manuskript des angeblich 2009 verstobenen Schneitewind die amerikanische Grenzmauer zu Mexiko auf, die erst nach Schneitewinds angeblichem Tod beschlossen wurde, bemerkt der Kritiker süffisant. Dieses Verwirrspiel scheint Schimmang spannender zu finden als den Roman selbst, denn die Dystopie ist seiner Meinung nach viel zu ambitioniert: Dass ein Altertumsforscher in unbestimmter Zukunft neu aufgetauchte Nachweise des Ursprungs der Welt entschlüsseln soll und dabei in komplexe politische Machtspiele verwickelt wird, ginge ja noch, wenn er dabei nicht noch ständig peinliche Lebensweisheiten von sich geben würde, stöhnt der Rezensent. Man solle sich gut überlegen, welchen Büchern man seine verbleibende Zeit widmet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.05.2019

Das Spiel mit Identitäten ist in der Postmoderne derart ausgereizt worden, dass sich Schriftsteller in unseren "postironischen" Zeiten schon einiges einfallen lassen müssen, um den Leser hinterm Ofen hervor zu locken, findet Rezensentin Kristina Maidt-Zinke. Die von Michael Köhlmeier und Raoul Schrott im Nachwort erzählte Vorgeschichte um den deutsch-französischen Autor Martin Schneitewind, der dieses angebliche Roman-Manuskript vor seinem Tod im Jahr 2009 seiner Witwe vermacht haben soll, in deren Besitz es die beiden Autoren entdeckt haben wollen, liest die Kritikerin zwar nicht überzeugt, aber durchaus amüsiert. Auch die Geschichte um den Schriftsteller Dino Buzzati, der den Roman für sich reklamiert haben soll, findet Maidt-Zinke "kurzweilig". Das eigentliche Werk kann dann aber leider nicht mithalten, seufzt sie: Auch wenn die Story um einen Orientalisten, der nach dem Ersten Weltkrieg bei einem Dammbau am Persischen Golf alte Tontafeln entdeckt und in ein diktatorisches System gerät, reich ist an dystopischen und historischen Elementen sowie an gelehrten Verweisen, hält sie den "Hymnen", die Schrott und Köhlmeier dem Buch beigegeben haben, nicht stand, schließt Maidt-Zinke.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.05.2019

Rezensent Andi Hörmann gibt auf. Wer nun das Buch geschrieben hat, der ominöse, 2009 verstorbene Martin Schneitewind oder einer der beiden Herausgeber Michael Köhlmeier und Raoul Schrott, ist ihm schließlich Wurst. Ob Marketing-Clou oder nicht, ob nun die Themen und Motive, altorientalischen Quellen und Mythenstoffe in Schneitewinds biblischer Dystopie vom Ursprung der Menschheit auch Köhlmeiers und Schrotts Steckenpferde sind oder nicht - was soll's, fragt der Rezensent. Allein schon das Spekulieren über Fragen der Wahrheit und Wahrhaftigkeit, über Autor und Werk, Fakt und Fiktion hat ihm großen Spaß gemacht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.04.2019

Rezensentin Angela Gutzeit ist verwirrt: Über diesen Autor, den angeblich verstorbenen Martin Schneitewind, ist nur bekannt, was Michael Köhlmeier und Raoul Schrott, die das Buch  herausgegeben bzw. übersetzt haben, über ihn sagen. Existiert er überhaupt? Gutzeit hat ihre Zweifel. Aber erst mal zum Roman: Er spielt im Nahen Osten, Hauptprotagonist ist ein Altorientalist, der auf eine Insel im heutigen Bahrein reist, um über assyrische und sumerische Tontafeln zu berichten. Dann gibt es noch einen geheimnisvollen Mann namens Thaut, der einen Staudamm bauen soll um die Flüchtlingsströme zu bremsen, und einen Soldaten, der vom Kampf gegen eben diese Flüchtlinge erzählt. Alles so kunstvoll ineinander verschränkt, dass Gutzeit am Ende nicht mehr weiß, was Wahrheit und was Lüge ist. Darum geht es in dem Buch und darum geht es wohl auch Köhlmeier und Schrott, vermutet die Rezensentin, wenn sie denn tatsächlich hinter dem Roman stecken. Ein bisschen getäuscht fühlt sie sich ja, aber "intelligenten Hinterwitz" möchte sie einer solchen Aktion auch nicht absprechen.

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