Sorj Chalandon

Herz in der Faust

Roman
Cover: Herz in der Faust
dtv, München 2025
ISBN 9783423284899
Gebunden, 400 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Brigitte Große. Im August 1934 gelingt 56 Jugendlichen einer Strafkolonie auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer die Flucht. 20 Franc - das ist der Preis, den die örtliche Polizei für jeden Jungen aussetzt, worauf die Inselbewohner eine Hetzjagd beginnen. Ein einziger Junge entkommt, seine Geschichte erzählt dieser Roman: Jules Bonneau, von den Eltern früh verlassen, nach Jahren im Heim zwischen Raserei und Hoffnungslosigkeit, gerät auf der Flucht an den bretonischen Sardinenfischer Ronan Kadarn und dessen Frau. Zum ersten Mal lernt er Zuneigung kennen, eine Zärtlichkeit, die ihn erschüttert. Er lebt mit den Fischern, begegnet Kommunisten und Faschisten. Und muss am Ende eine Entscheidung treffen, die ihn mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2026

1932 sind 56 Kinder aus einer brutalen Erziehungsanstalt auf einer bretonischen Insel entflohen, Jacques Prévert hat ihnen als Zeitzeuge ein Gedicht gewidmet, weiß Rezensentin Barbara von Machui. In Sorj Chalandons überzeugendem wie erschütterndem Roman kann sie nun die Geschichte von Jules lesen, der als einziger entkommen konnte. In der Ich-Perspektive lässt Chalandon Jules von Gewalt, Strafen und Grausamkeit im Heim erzählen, von den Jugendlichen, die irgendwann genug haben und ausrasten, erfahren wir, aber auch von der Ersatzfamilie, die er bei dem Fischer findet, bei dem er sich vor der Meute versteckt, die die Jugendlichen für Kopfgeld wieder einfangen soll. Machui lobt Chalandons Talent, unvergleichliche Figuren zu schaffen und sie mit einer Sprache auszustatten, die hart und berührend zugleich ist. Auch Prévert hat einen kleinen Gastauftritt, verrät sie noch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.10.2025

Rezensentin Petra Pluwatsch findet die harte, reduzierte Sprache in Sorj Chandalons "Sozialroman" über einen Jugendlichen in einer bretonischen "Korrekturanstalt" der 1930er Jahre dem Thema angemessen. Es geht um Armut Vernachlässigung und Gewaltexzesse, erklärt Pluwatsch unumwunden, die der Ich-Erzähler auf aufwühlende Weise schildert. Wie der Held der Geschichte der Anstalt entkommt, nur um wiederum straffällig zu werden, das zu lesen, ist für die Rezensentin packend und eindringlich bis zum Schluss.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 18.09.2025

In den 1930er Jahren werden delinquente Jugendliche in einer bretonischen Strafkolonie verwahrt, bis es einen Massenausbruch gibt und die Bevölkerung sich dank ausgesetzter Belohnungen an der Jagd nach den Ausgebrochenen beteiligt: Davon erzählt Rezensent Ulrich Rüdenauer zufolge der neue Roman von Sorj Chalandon. Protagonist ist der junge Jules, dem als einzigem die Flucht glückt. Chalandon fängt die klaustrophobische Atmosphäre in der Besserungsanstalt ebenso gut und mit naturalistisch geschulter Sprache ein wie die Konflikte zwischen Kommunisten und Faschisten, lobt Rüdenauer. Er stört sich nur ein wenig daran, dass dem jungen Jules doch ziemlich viel auf einmal aufgebürdet wird in dieser Geschichte.