Martin Mulsow
Aufklärungs-Dinge
Zweifler und Verzweifelte im Umbau des Wissens um 1700

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783803137265
Kartoniert, 304 Seiten, 32,00 EUR
ISBN 9783803137265
Kartoniert, 304 Seiten, 32,00 EUR
Klappentext
Ein Guckkasten, eine Indianerfigur, ein Schlafpelz, Goldmünzen, eine Wünschelrute, verästelte Bäume und eine Silenbüste: Ausgehend von diesen antik-exotisch oder verwunschen anmutenden Objekten vollzieht Martin Mulsow, unermüdlicher Chronist der Frühen Neuzeit, Tiefenbohrungen in die Welt um 1700 und führt voller Detailkenntnis ins brodelnde Zeitalter der Aufklärung. Fernab von Heldenerzählungen und den Routinen der Triumphgeschichte treten auf diese Weise Schicksale von Gelehrten vor Augen, die bereit waren, die alte Welt mit ihren Gedanken zu sprengen, aber an den Missständen und der Bequemlichkeit ihrer Mitmenschen verzweifelten. Es erscheinen wuchernde Wissensgeflechte aus kühler Rationalität und Okkultem sowie mal dunkle, mal glanzvolle Lese- und Bücherwelten aus heiligem Ernst und beißendem Spott. Nahezu haptisch wird so das geistige Klima einer Epoche fühlbar, die sich aufschwang, in Zweifel zu ziehen, was über Tausende von Jahren gegolten hatte: ein durchaus fremdes Zeitalter, das den Startschuss für eine Revolution der Skepsis gab, die bis heute anhält.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2024
Rezensent Peter Burschel besucht mit Martin Mulsow die Kabinette des skeptischen 18. Jahrhunderts und wirft ein Auge auf ihre "dingliche Ausstattung", auf Porzellanindianer, Schlafrock, Satyrfigur und Goldtaler. Inwieweit dieser "Nippes" als Sonden zum Wissen zwischen Barock und Aufklärung zu verstehen ist, macht ihm der Autor nachvollziehbar, indem er die mit ihnen verbundenen Vorstellungen und Sehnsüchte erläutert. So lernt Burschel etwa, dass der Schlafrock des Historikers Tobias Pfanner Distanz zum Hof bedeutete. Das Buch ist ein Glücksfall, findet Burschel.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.08.2024
Rezensent Michael Opitz trifft in dem Buch des Historikers Martin Mulsow auf Aufklärer und Wissenschaftsskeptiker gleichermaßen. Die Geschichte des Wissens um 1700, als mit dem Aufkommen von Zeitschriften und Guckkästen die Wissenschaft in eine Krise gerät, erzählt der Autor laut Opitz mit Anspruch, etwa wenn er die Titelkupferstiche der Zeitschriften betrachtet oder sich einzelnen Persönlichkeiten des Wissenschaftsdiskurses wie Jakob Friedrich Reimann zuwendet. Erhellend findet Opitz zu sehen, wie sich Reformer wie Reimann darum bemühten, den Herausforderungen der "Medienrevolution" um 1700 zu begegnen und "Fake News" zu entlarven.
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