Der Prozess um Galileo Galilei symbolisiert bis heute die Befreiung der Wissenschaft von Religion und Kirche. Entgegen dieser Polarisierung geht Anne- Charlott Trepp dem durchaus konstruktiven Verhältnis von Religion und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit nach. Im Mittelpunkt stehen die 1607 und 1692 geborenen Theologen Johann Rist und Friedrich Christian Lesser und die 1647 geborene Maria Sybilla Merian, ihre umfassenden Beziehungsnetze wie ihre subjektiven Wahrnehmungen und Deutungen von Natur. Deutlich wird: Vor allem im Rahmen alternativer Frömmigkeitsformen des Luthertums, wie dem Pietismus, entwickelte sich Natur zu einem wesentlichen Medium individueller wie kollektiver Sinngebungen und Heilsbestrebungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2010
Daniel Jütte hat sich mit Interesse der Habilitationsschrift von Anne-Charlott Trepp angenommen, in der die Bochumer Historikerin anhand von drei ausgewählten Biografien die Naturerforschung als "religiöse Praxis" zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert behandelt. Dass sich die Autorin in ihrer Studie auf protestantische Naturforscher konzentriert, findet Jütte deshalb lobenswert, weil diese konfessionelle Gruppe bislang nicht erschöpfend untersucht wurde, wie er meint. Er lobt die Arbeit für ihre Materialfülle, auch wenn er einräumt, dass sie mitunter etwas dröge daher kommt, und betont, dass die Autorin den religiösen Erkenntniswunsch ihrer Protagonisten bei der Erforschung der Natur erhellend herausarbeitet. Gänzlich zufrieden ist der Rezensent jedoch nicht, denn er findet, dass nicht alle Fragen zum Thema beantwortet werden und insbesondere von der genaueren Untersuchung der Alchemie in diesem Zusammenhang hätte er sich einiges versprochen.
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