"Er war ein klein gewachsener Mann, der in einer Menschenmenge nicht auffiel, aber im Gespräch und im Vortrag eine unwiderstehliche Aura entfaltete und die Zuhörer in seinen Bann zog. Gefühle konnte er nur schwer verbergen. Seine Neigung, Widersprüche und Kritik von Diskussionspartnern mit heiligem Zorn zu verfolgen und seine Ansichten beharrlich und aggressiv zu verfechten, bis der Gegner die Waffen streckte, war gefürchtet."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.11.2002
Karl Popper war kein angenehmer Mensch und von seiner Philosophie der Erkenntnis hält der Rezensent Eberhard Döring offenkundig auch nicht sehr viel. Die jetzt erschienene - und zu ihren Vorgängern manches hinzufügende - Einführung lässt die "Schrulligkeiten und Eitelkeiten" des Philosophen nicht aus. Döring referiert sie genüsslich: auf Kürzungen seines Werks ließ Popper sich nicht ein, geprägt sind sie also durch schwer erträgliche "Redundanz". Die "enervierende Besserwisserei" hatte einst schon, geht die Legende, Wittgenstein aus dem Zimmer getrieben (in Poppers Version dieser Geschichte kommt offenbar ein Schürhaken vor). Platon und Hegel - und Kant - hat Karl Popper, so der Rezensent, einfach missverstanden - und seine Erkenntnistheorie sei schon deshalb, ihrem Erfolg zum Trotz, im Grunde, das steht zwischen den Zeilen, aus philosophischer Perspektive nicht satisfaktionsfähig. Über die Einführung, die er hier zum Schein rezensiert, schreibt Döring herzlich wenig; dass er Popper nicht ausstehen kann, wird dafür umso deutlicher.
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