Thomas Glavinic

Wie man leben soll

Roman
Cover: Wie man leben soll
dtv, München 2004
ISBN 9783423243926
Taschenbuch, 240 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Wenn man jung ist und ein Mann, dann kann es sein, dass man ein Schulterzucker, ein Sitzer ist. Zumindest, wenn man zu einer Generation gehört, die nicht so recht weiß, wie man nun eigentlich leben soll. Woher und von wem sollte man das auch wissen, wenn man, wie Karl "Charlie" Kolostrum, Teil einer überspannten Familie ist und eine Mutter hat, deren Neigung zum Alkohol und zu promiskuitivem Sex schon früh den Vater verjagte. Wenn man also, kurz gesagt, sich selbst überlassen und nur mit der eigenen Person und deren Wirkung beschäftigt ist, dann braucht man auch eigene Lebensregeln, und zwar in so ziemlich jeder Hinsicht ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2005

Herzlich lachen kann Daniela Strigl über Thomas Glavinics neuen Streich und jubelt: Ein "ziemlich komischer" Roman! Karl "Charlie" Kolostrum sieht so aus, wie sein Name vermuten lässt, und auch sonst läuft bei ihm nicht alles nach Plan. Kein nennenswerter Erfolg beim weiblichen Geschlecht, zu schüchtern, um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren und einige Fehlleistungen, die seine Mitmenschen versehentlich das Leben kosten. Glavini berichtet aus der Jugend seines Protagonisten zwischen dem Absturz der "Challenger" 1986 und dem der "Columbia" 2003, und das im typischen Ratgeberstil in der "man"-Form. Dieses Konzept "geht tatsächlich auf", freut sich Strigl, und Glavinic nimmt, so lesen wir, damit die populäre Ratgeber-Literatur mit tiefschwarzem Humor aufs Korn. Aber auch grausige Szenen findet man; die Rezensentin hebt besonders jene hervor, in der Charlie erst mit einem Fisch-, dann mit einem Teppichmesser versucht, seine zu erstickenden Freundin mit einem Luftröhrenschnitt zu retten - vergeblich. Strigl ist belustigt und konsumiert die Erzählung gerne "als bloße Unterhaltung".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2004

Rezensent Franz Haas hält anscheinend große Stücke auf den Schriftsteller Thomas Glavinic. Bisher vier Bücher über gänzlich verschiedene Themen hat Glavinic veröffentlicht und nie sei ihm ein "Genre" zur "Masche geworden", versichert Haas. Haas' Beifall findet nun auch sein neuer Roman "Wie man leben soll", das "witzige Selbstporträt" eines übergewichtigen Mannes Anfang dreißig namens Karl Kolostrum, der sich als "Maulheld" und Taugenichts durch sein Leben laviert und eher an sexuellen Abenteuern als an seiner "Herzensbildung" interessiert ist. Statt sein Studium zu beenden schlägt sich Kolostrum lieber als Taxifahrer durch und zitiert ausgiebig aus Lebenshilferatgebern. Für Rezensent Haas ist er das "treue Zerrbild" einer Generation, "ein komisch tragisch dickes Kind seiner Zeit." Auch für den Erzählstil hat der Rezensent einiges übrig: Das Buch ist konsequent im unpersönlichen "man" gehalten, was Haas "eigenwillig und originell" findet. Dank oberhandnehmender "Komik" werde das "man" nie eintönig. Außerdem lobt Haas, dass der Roman trotz aller "grotesken" Einschübe "erstaunlich nah an der Realität" sei. Einzig das Ende des Romans, in dem Kolostrum schlagartig zum "Starmusiker" wird, war Haas "allzu märchenhaft".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.06.2004

Kein großes Gefallen findet Gerrit Bartels an Thomas Glavinic' Roman "Wie man leben soll", der vor allem zeigt, wie man nicht leben sollte: langweilig. Warum macht sich der Autor die Mühe, das öde Leben eines völlig durchschnittlichen, nicht besonders ehrgeizigen jungen Mannes namens Charlie Kolostrum zu zeigen, fragt Bartels und vermutet, dem Autor ginge es genau darum, diese Ödnis vorzuführen. Dafür sieht er nämlich stilistische Maßnahmen von Seiten des Autors ergriffen: der konsequente Gebrauch des Präsens und ein durchgehendes "man", das die Aushöhlung und Entindividualisierung dieser Generation anzeigen soll. Doch die stilistischen Tricks helfen Glavinic nicht, Bartels wertet sie als "Holzhammerästhetik" und "Schmalspur-Literarizität": Ödnis pur, schimpft Bartels. Freundlich gesagt sei "Wie man leben soll" ein Remake von Frank Goosens "Liegen lernen", so Bartels, bloß das Charlie sitzen gelernt habe - aussitzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004

Rezensent Robin Detje scheint zu schwanken, über wen er sich mehr ärgern soll: über einen Autor, der solch ein belangloses Buch schreibt, oder über einen Verlag, der es aus, wie Detje vermutet, marktwirtschaftlichem Interesse vertreibt. Thomas Glavinic betreibe eine Art Ehrenrettung der Mofarockerbande, wie sie jeder aus seiner eigenen Schulzeit kenne. Wie dies vonstatten geht, hat den Rezensenten nicht unbedingt beflügelt: "mit flotter, angeberisch umstandskrämerischer (also vermeintlich 'literarischer') Schreibe und zwei bis drei Zoten pro Seite". Um Glavinics Protagonisten, ein "fieses, erotomanes Monster", zur wahrhaft literarischen Figur zu erheben, hätte es in Detjes Augen allerdings jemand anderes gebraucht als Glavinic, da ihm jeder "Bezug zum Monströsen und Literarischen" völlig abgehe. Und so bleibe hier "jede Zote eine Zote", und das "Schenkelklopfen" gleichermaßen Schenkelklopfen. Sensiblen Lesern prophezeit Detje, dass sie "nach dieser Lektüre zwei Jahre Robert Walser lesen müssen, um sich davon zu erholen". Das sitzt.
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