Der öffentliche Raum befindet sich im Belagerungszustand: Zwang zum Konsum, wachsende Überwachung, immer weiter ansteigender Autoverkehr drohen, das Bild unserer Städte grundlegend zu verändern. Das Künstlerpaar Folke Köbberling und Martin Kaltwasser arbeitet seit 1998 an ihrer Idee einer künstlerischen und architektonischen Ästhetik des Widerstands gegen diese Vereinnahmung. Der konsumistischen Ideologie setzen sie Alternativen entgegen bauliche Interventionen, künstlerische Statements, Aktionen und Theorien. Dabei nutzen die Künstler Straßen, Plätze, Brücken, Parks und Innenräume als Operationsgebiete. Die verwendeten Materialien gewinnen sie stets aus den städtischen Ressourcen: Weggeworfenes, Abfälle, Geschenktes. So beruht jede ihrer Arbeiten auf kommunikativen und sozialen Momenten. Zugleich regen ihre Strategien zur Nachahmung an, zur Verbreitung und Multiplikation, weil sie mithilfe einfachster materieller Mittel zu realisieren sind.
Mit viel Genuss hat Katrin Bettina Müller sich durch dieses Buch geblättert, das, wie man liest, Kunstaktionen im öffentlichen Raum des Duos Folke Köbberlin und Malte Kaltwasser dokumentiert. Weil diese Aktionen meist höchst flüchtig seien, betrachtet Müller das Buch als schöne Ergänzung zu den Aktionen. Diese, schreibt die Kritikern, beschäftigten sich meist mit klima- oder kapitalismusbedingten Erosionen und die dokumentierenden Fotos und Videostills machen aus ihrer Sicht das Katastrophische zum ästhetisch genießbaren Spiel.
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